1) Malgaigne »Treit. d. fract. et luxat.« pag. 799.
der durch seine bedeutende Länge schon von vornherein für einen Bruch durch indirecte Gewalt
prädisponirt ist. Sucht man nun denselben gewaltsam sowohl nach hinten, wie seitlich durchzu
biegen, was natürlich nach hinten und innen wegen der normalen leichten Krümmung eines stark
gestreckten Beins nach diesen beiden Richtungen am leichtesten sein wird, so wird er, vorausge
setzt, dass die Festigkeit der Bänder, wie es thatsächlich der Fall zu sein scheint, die des Knochens
überwiegt, an seiner schwächsten Stelle oder bei überall gleicher Stärke möglichst in der Mitte
zwischen beiden Angriffspuncten, den Enden, zerbrechen. Warum aber unter solchen Verhält
nissen der Tibiakopf bricht, wage ich nicht zu entscheiden und sehe auch um so mehr von allen
Hypothesen darüber ab, als dies Vorkommen erfahrungsmässig durchaus kein constantes ist,
sondern unter denselben Umständen auch Brüche an allen andern Stellen, am Femur sowohl, wie
an der Tibia Vorkommen. Ich begnüge mich eben mit der Thatsache, dassJBrüche des Tibia
kopfes sowohl durch Hyperextension, als auch durch forcirte Valgussteilung des gestreckten Beines
zu Stande kommen können und glaube, dass darin auch die Entstehung desselben in unserm
Falle seine volle Erklärung findet. Wenn nämlich jemand von einer gewissen Höhe mit gespreizten
Beinen auf die Erde springt, so wirkt in dem Augenblick, wo er dieselbe berührt, auf das Bein,
dessen unteres Ende auf dem Boden gestützt ist, an seinem oberen Ende das Körpergewicht in
einer Richtung, die wir als Resultirende in zwei Komponenten zerlegen können, nämlich in eine
in der Axe des Beines und eine andere auf diese senkrecht wirkende, welche letztere bis zu einem
gewissen Grad natürlich desto grösser ausfallen wird, je weiter das Bein in Abduction fixirt steht.
Das Resultat der ersteren wird nothwendig ein festes Zusammenpressen der Gelenkflächen, ev. Hyper
extension, das der letzteren ein Durchbiegen des ganzen Beins nach innen sein, beides Stellungen,
durch die nach den Versuchen eine Fractur des Tibiakopfes erfolgen kann.
Die Brüche des Tibiakopfes bieten hinsichtlich ihres Sitzes sowohl, wie hinsichtlich ihrer
Art anerkannter Weise so viele Variationen dar, dass wohl alle Arten von bracturen,
die man überhaupt unterschieden hat, hier Vorkommen können. Malgaigne *) nimmt eine
einzige Art einer Bruchlinie aus, nämlich den glatten Querbruch, indem er behauptet, ein
solcher Fall sei trotz mehrfacher Beschreibung an der Tibia niemals beobachtet. Natürlich
sind diese einzelnen Arten besonders für Prognose und Therapie von verschiedenem Interesse
und sind hier vor Allem die extracapsulären von den intracapsulären Brüchen scharf zu
trennen. Meine Beobachtungen über beide Arten sind nun sowohl nach den angeführten
Fällen, ills nach Versuchen am Cadaver folgende: Rein extracapsuläre Brüche des Tibiakopfes
kommen vor, sind aber seltener, als intracapsuläre; (nach den angeführten Eällen 2 : 4).
Sie entstehen wie die Tibiakopffracturen überhaupt meistens durch directe Gewalt, können aber
auch durch indirecte Gewalt zu Stande kommen und zwar nach Versuchen an Leichen besonders
durch Hyperextension. Die Bruchlinie ist immer mehr weniger gezackt und verläuft meistens
quer oder leicht schräge. Als Stelle des Bruchs wird in den angeführten Krankengeschichten fast
regelmässig die Gegend der tuberrositas angegeben, doch scheint nach den Versuchen an Leichen
besonders bei indirecten Fracturen die Bruchlinie sehr häufig der Grenze zwischen Dia- und
Epiphyse zu folgen. Obgleich nämlich diese beiden bekanntlich spätestens bis zum 24ten Lebens
jahr knöchern verschmelzen und in Folge dessen von einer Epiphysentrennung später nicht mehr die
Rede sein kann, so war doch das erwähnte Verhalten im Verlauf der Bruchlinie bei den Ver-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.