Lieber Brüche des Tibiakopfes.
Das Capitel der Tibiakopffracturen gehört unstreitig zu den Abschnitten der Lehre von
den Knochenbrüchen, die bis jetzt noch nicht die verdiente Berücksichtigung gefunden haben.
Selbst in den grössten chirurgischen Werken findet man über diesen Gegenstand verhältnissmässig
wenig und sogar in diesem Wenigen gehen noch theilweise die Angaben der Autoren weit aus
einander. Diesem Mangel kann natürlich nur abgeholfen werden durch Sammlung eines möglichst
reichhaltigen casuistischen Materials. Gerade die medicinische Wissenschaft bedarf ja vor Allem
der sichern Basis der Casuistik; Hypothesen sind für sie wie für alle unentbehrlich, aber so nütz
lich sie sind, wenn sie mit beobachteten Thatsachen Hand in Hand gehen, so schädlich und dem
Fortschritt der Wissenschaft gradezu hinderlich sind sie auch, wenn sie sich ohne diese sichere
Stütze haltlos ins Weite verirren.
Wenn ich in Nachstehendem einige Fälle von hier im »Städtischen Krankenhause« zu
Altona beobachteten Brüchen des Tibiakopfes veröffentliche und diese dann in ihren Hauptpuncten
kurz zusammenstelle, um daraus, sowie aus einigen Versuchen an Leichen einige allgemeine
Schlüsse zu ziehen auf das Vorkommen der Tibiakopffracturen überhaupt, ihre Entstehung etc.,
so bin ich mir sehr wohl bewusst, dass dabei von einer erschöpfenden Behandlung dieses Themas
nicht im Entferntesten die Rede sein kann; denn einerseits sind gewisse Arten dieser Fracturen,
z. B. Schussfracturen, intrauterine Brüche, von vorn herein ausgeschlossen und andrerseits ist auch
für die in Rede stehenden Fälle das Material viel zu klein, um daraus feste Grundsätze und Re
geln für alle aufstellen zu können. Es ist eben nur der Ausdruck einer kleinen Summe von
Beobachtungen.
Die hier im »Städtischen Krankenhause« zu Altona beobachteten bälle von Tibiakopf
fracturen sind in ihren Hauptzügen nach den Krankheits-Journalen folgende:
I. Fall:
M. Witt, 29 Jahre alt, Seiler aus Altona fiel am 3. Mai 1864 Nachmittags 3 Etagen her
unter. Nach dem Fall war er kurze Zeit bewusstlos. Wie er aufgeschlagen, war nicht zu ermitteln.
Bei seiner Aufnahme ins Hospital, die an demselben Tage eriolgte, zeigte sich der linke
Unterschenkel im obern Drittel gebrochen. Eine Handbreit unter dem Knie befand sich eine zoll-

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