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Alle drei Fälle zeigen die charakteristischen Merkmale des entzündlichen
Hautpapilloms: die vergrösserten Papillen, das Verwachsen der Papillenspitzen mit
einander und die interpapillären Abscesse. Eine specifische Ursache ist in diesen
Fällen nicht nachzuweisen; es erregt aber unsere Aufmerksamkeit, dass bei allen
drei Fällen dem Auftreten des Papilloms subcutane, kalte Abscesse an anderen Kör
perstellen vorangegangen sind. Wir müssen annehmen, dass bei der allgemeinen Dis
position zu subcutanen Abscessen doch noch ein äusserer Reiz an denjenigen Stellen
eingewirkt haben muss, so dass diese entzündliohe Wucherung zu Stande kommen
konnte. — Wir wissen, dass neben den Affectionen der Lymphdrüsen noch eine
Reihe von Erkrankungen anderer Organe ebenfalls zur Scrophulose gerechnet werden,
von denen chronische Entzündungen der äusseren Haut und der Schleimhaut zunächst
zu nennen sind. Dazu gehören die hartnäckigen Exzeme, besonders am Kopfe und
im Gesichte und die kalten Unterhautabscesse.
Wie schon erwähnt, ist in diesen Fällen keine äussere Veranlassung zur Ent
stehung der Unterhautabscesse und des Papilloms nachzuweisen, weder hat ein Trauma,
noch sonst ein äusserer Reiz diese Hautstellen getroffen, und deshalb liegt es sehr
nahe, hier eine scrophulose Constitutionsanomalie anzunehmen.
In unserm P'alle ist zwar keine hereditäre Disposition nachzuweisen, denn
weder Phthisis der Eltern, die so häufig Scrophulose der Kinder zur Folge hat,
noch Drüsenerkrankungen sind nachweisbar.
Es braucht ja aber die Scrophulose nicht ausschliesslich als vererbte Krankheit
aufuztreten; kann sie doch Glieder aus ganz gesunden Familien befallen, wenn sie unter
ungünstige Lebensbedingungen gebracht worden sind.
Haben wir doch einen grossen Theil der in unserm Lande leider so häufigen
Scrophulose der unzweckmässigen Pflege der Kinder zu danken!
Es ist jüngst in einer Zusammenstellung der auf hiesiger Klinik beobachteten
Fälle von scrophulösen Krankheiten nachgewiesen, dass chronische Drüsen-Knochen
und Gelenkentzündungen, Lupus und chronische Abscesse in der Haut und im Unter
hautzellgewebe sehr verwandte Processe darstellen, welche sämmllich zur Production
schlaffer schwammiger Granulationen führen, in denen sich nicht selten Tuberkel
knötchen nachweisen lassen. Wenn wir alle diese Affectionen unter den Namen der
scrophulösen Erkrankungen zusammenfassen, da dürfen wir vielleicht auch das ent
zündliche Hautpopillom zu denselben zählen, da ja auch in unserm Fall sich zuerst
ein kalter Unterhautabscess auf dem Fussrücken gebildet hatte, der dann zeitweilig
vernarbte, später aber den Ausgangspunkt für die Entwicklung des Hautpapilloms
abgab.

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