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Bronchus hinausgepresst, so würden wir hier vielleicht denselben Erfolg, Tod unter Erstickungs
erscheinungen gehabt haben, wenn nicht die Kranke an einer interkurrenten Krankheit gestorben wäre.
Nicht immer aber, wie wir gesehen haben, sind es gerade grössere Sequester, die in solchen
Hohlräumen liegen, sondern oft nur ganz kleine Brockel, die mit Leichtigkeit ausgehustet werden
können. Ist dieses geschehen, und kommt dann der Process zur Heilung, so wird sich der Ab
scess unter narbiger Heranziehung des benachbarten Gewebes schliessen und es werden sich dann
dieselben Schrumpfungswirkungen an den verschiedenen Organen entwickeln, wie sie oben be
schrieben sind.
Solche Fälle von ausgeheilten, früher in die Luftwege perforirten sekundären Drüsen
Abscessen sind in den Präparaten mehrfach in den schwarzen, strahligen Narben der Bronchial-
schleimhaut beschrieben. Am deutlichsten und unverkennbarsten aber sehen wir die Residuen eines
solchen Processes im Präparat No. io vor uns. Es ist nicht möglich, dass durch einfache Traction
die starren Knorpel in der Wand des linken Bronchus so dislocirt sein könnten, wie sie es sind.
Der dritte, und vierte Knorpel sind geknickt; in dem fünften ist ein vollkommener die Spange in
zwei vollkommen getrennte Hälften theilender Defect. Es muss hier eine ausgedehntere Ulceration
stattgefunden haben, die auch das Gewebe des Knorpels theilweise mit zerstört hat. Nach der
Entleerung des Drüsenabscesses ist dann Ausheilung durch Granulationsgewebe, Bindegewebsneu
bildung und Schrumpfung erfolgt, und die Bronchialschleimhaut ist divertikelartig herausgezogen.
] Unter der Wand des Divertikels liegt der zurückgebliebene Rest der im Uebrigen ausgestossenen
Drüse, in welchem sich noch ein kleines Kalkkonkrement befindet.
In derselben Weise muss man sich, wie ich glaube, das Speiseröhrendivertikel in dem
Präparat No. 7 entstanden denken. In dem Divertikel ist die Schleimhaut von narbigen Strängen
durchzogen, sogar eine kleine Schleimhautbrücke findet sich darin. Möglicherweise könnten ja
diese Narben zurückgeblieben sein von einem früheren Ulcerationsprocess in dem schon'bestehen
den Divertikel, der von aussen, etwa durch scharfkantige, darin stecken gebliebene Ingesta ange
regt und später zur Heilung gekommen ist. Ebenso nahe aber liegt doch die Annahme, dass
die in der ausgezogenen Spitze des Divertikels liegenden, Kalk enthaltenden Lymphdrüsenreste
von einem sekundären Drüsenabscess nachgeblieben sind, dass diesei Abscess fiühei die Oesophagus
häute durchbohrt, auf der Schleimhaut eine Ulceration hervorgerufen und nach der Ausheilung
ein Tractionsdivertikel mit narbiger Schleimhaut zurückgelassen hat. Dass diese Entstehungsweise
von Tractionsdivertikeln der Speiseröhne wirklich vorkommt, dafür haben wir in dem Präparat
No. 9 einen sicheren Beweis, wo die fistulöse Communication eines Lymphdrüsenabscesses mit dem
üesophagusdivertikel noch nicht zur völligen Ausheilung gelangt ist.
Die Frage, ob Perforationen solcher Drüsen-Abscesse in Blutgefässe Vorkommen, muss ich
unbeantwortet lassen; beobachtet sind sie meines Wissens noch nicht. Doch lässt sich a priori
die Möglichkeit ihres Vorkommens meiner Meinung nach nicht ganz wegleugnen, und es wäre wohl
der Mühe werth, darauf zu achten.
Als diese Dissertation schon beendigt war und der Druck derselben schon begonnen hatte,
kamen mir noch 3 Fälle zu Gesicht, die dem vorher beschriebenen analoge Veränderungen boten.
Zwei von diesen Präparaten stammen von hier gemachten Sectionen, das dritte ist dem pathologisch
anatomischen Institut von auswärts zugesandt. Das eine derselben zeigt in so exquisitem Grade
die Wirkung von Schrumpfungsvorgängen der Lungen und des Mediastinums, dass es mir dringend

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