immer bemerkbarer, die Athemnoth wurde immer stärker, zuletzt traten Cyanose und hydropische
Erscheinungen auf und der Kranke ging schliesslich unter den Zeichen des Lungen - Oedems zu
Grunde. Welcher Art nun aber das Hinderniss sei, darüber war man bisher zu keiner Entschei
dung gekommen.
Die Section ergab nun folgendes: »Hochgradige Strictur der Pulmonalarterien-Aeste.
Dilatation und Sklerose der Pulmonalarterie vor der Strictur. —- Enorme excentrische Hypertrophie
des rechten Herzens. — Obliteration dss Herzbeutels. — Chronische Diffuse und knotige inter
stitielle Pneumonie. — Residuen von (besonders rechtsseitiger) Pleuritis. — Tractionsdivertikel der
Speiseröhre und des rechten Bronchus.« — Zugleich zeigten die Bronchialverzweigungen auf beiden
Seiten mehrfache starke Einschnürungen und winklige Knickungen, durch welche ihr Lumen zum
Theil zu spaltförmigen Oeffnungen verengt erschien.
Jetzt war Licht in den vorher zum Theil dunklen Zusammenhang der verschiedenen
Symptome gebracht.
Die addirte Wirkung einer chronischen interstitiellen Pneumonie, der Stenosen von Bronchial
verzweigungen und der Pulmonalarterien-Aeste erklärte zur Genüge die ausserordentliche Dyspnoe
welche den Kranken in der letzten Zeit gequält hatte. Das Circulationshinderniss im kleinen
Kreislauf war gefunden in der hochgradigen Strictur beider Pulmonalarterien-Aeste.
Die klinischen Symptome dieser Verengerung der Lungen-Arterien sind in diesem
Falle äusserst prägnant, und geben uns, abgesehen von den die Athemnoth noch erhöhenden
Momenten, das typische Bild dieser Krankheit. Solche Grade werden nun im Ganzen ziemlich
selten zur Beobachtung kommen; man wird aber doch an der Hand dieses Falles gewiss auch
geringere Grade erkennen lernen, wenn auch das eine oder das andere von den verschiedenen
Symptomen fehlt.
Die die Strictur von Pulmonalarterien-Aesten begleitenden klinischen Symptome, bei deien
Aufzählung und Deutung ich mich an IMMERMANNS Arbeit halte, werden danach im Ganzen fol
gende sein. Auskultatorisch wird sich Verstärkung des zweiten Tones über den Pulmonalaiteiien-
Klappen bemerkbar machen, herrührend von der grösseren Gewalt, mit der das von den vei engten
Stellen der Lungenarterien her zurückgeworfene Blut die Klappen schliesst; sonst reine Herztöne.
An denjenigen Stellen der Thoraxoberfläche, wo man der Verzweigung der Pulmonalarterie am
nächsten ist, also hinten und oben zwischen der Wirbelsäule und den Schulterblättern, vorn in dei
Höhe des zweiten und dritten Intercostalraums, wird man meistens ein systolisches Blasen vci-
nehmen, wie es stets in den Gefässen geschieht, wenn das Blut aus einem engeren in einen wei
teren Abschnitt übergeht. Sind einzelne kleinere Verzweigungen der Lungenarterien stiieturirt, so
muss das Geräusch über derjenigen Partie der Lunge entstehen, welche von diesem vei engten
Zweige mit Blut versorgt wird. Ist die Strictur nun einigermassen ausgebildet, und die Constitution
des Kranken nicht zu schlecht, so muss, da an das rechte Herz eine stärkere Anfoiderung gestellt
ist, der rechte Ventrikel hypertrophisch werden, ein Vorgang, der sich uns bald durch die Vei-
grösserung der Herzdämpfung nach rechts und in die Breite dokumentiren wird. So lange nun
die Hypertrophie im Stande sein wird, den vermehrten Widerstand im kleinen Kreislauf durch
verstärkte Kraltleistung zu compensiren, werden die Beschwerden des Kranken nicht allzugross
werden. Beginnt dann aber die Regeneration des hypertrophischen Herzmuskels, dann werden
bald die' Erscheinungen der Stauung des Bluts im grossen Kreislauf, Cyanose, Eiweiss im Harn,
Hydrops u. s. w. sich zeigen, und das Leben des Patienten ein Ende nehmen.
Nach Immermann hat Professor Bartels 1 ) noch eine klinische Besprechung über 7 hälle
1) Bartels, »Ueber systolische Gefässgeräusche in den Lungen.« Deutsch. Arch, für klin- Med, Bel. VI. 1869. S. 111.

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