Hesse sich sogar eher beweisen, dass Goethe an eine Homologie der Ulna und der
Tibia gedacht habe, ohne dass in dem Werke von 1824 hierauf Bezug genommen
ist. Aber selbst wenn Goethe die Homologie des Radius und der Tibia, der Ulna
und Fibula ausgesprochen hätte, so hätte er eben behauptet, was andere bewiesen
haben. Doch nicht die Behauptung macht den Meister, sondern der Beweis. Sonst
wäre Anaximander Urheber der DARWiNschen Theorie. Die de BLAiNViLLE-GERDYsche
Theorie stützt sich hauptsächlich auf das Factum, dass bei den verschiedenen Amphi-
pneumonen, so bei einigen Anuren, Vögeln, Fledermäusen, ja selbst zuweilen beim
Menschen eine an der Ulnarsehne des M. extensor antibrachii triceps auftretende
Patella brachialis beobachtet wird. Diese Patella brachialis, schliesst diese Theorie
weiter, ist selbstverständlich der Patella femoralis homolog. Nun ist aber die Patella
brachialis das abgelöste Olecranon, folglich ist die Patella femoralis dem Olecranon
homolog. Das Olecranon ist eben eine nicht abgelöste Patella brachialis, die Patella
femoralis ein abgelöstes hinteres Olecranon. So die Theorie. Betrachten wir jedoch
die betreffenden Verhältnisse näher, so erkennen wir, dass jenen Thieren, welche die
Patella brachialis, sei es regelmässig, sei es wie der Mensch nur ausnahmsweise, auf
weisen, durchaus das Olecranon nicht fehlt. Im Gegentheil, das Olecranon besteht
neben der Patella brachialis bei diesen Thieren stärker, bei jenen schwächer ent
wickelt. Bei Anuren zum Beispiel bemerken wir ein ausgebildetes, bei Vögeln und
Pteropus ein schwach entwickeltes Olecranon neben der Patella brachialis. Auch
sieht man zu keiner Zeit der Entwickelung dieser Thiere die Epiphyse des Olecranon
sich lösen und zur Patella brachialis werden, sondern die Epiphysis proximalis bleibt
ungetrennt mit der Diaphysis ulnae verbunden ein Olecranon bildend und nebenher
tritt zwischen dem Tendo extensorius antibrachii communis und der Cubitalgelenkkapsel
eine Patella brachialis auf. Diese Patella brachialis ist ein Sesamknorpel oder ein
Sesambein, der Patella femoralis analog entstanden, aber in ihrem anatomischen Ver
halten durchaus nicht homolog zu setzen. Denn da, wie wir gesehen haben, der
M. extensor antibrachii triceps nicht dem M. extensor cruris quadriceps, sondern den
Flexoren des Unterschenkels homolog ist, so kann auch ein Sesambein an der Ulnar
sehne des M. extensor antibrachii triceps nicht einem Sesambeine an der Tibialsehne
des M. extensor cruris quadriceps homolog sein, sondern das Flomologon ist in einem
Sesambein in der Fibularsehne des M. flexor cruris biceps zu suchen, da an den
cruralen Sehnen des M. semimembranosus und semitendinosus niemals Sesambeine ent'
stehen. Ein solches Sesambein in der F'ibularsehne des M. flexor cruris biceps,
welches einer Patella brachialis homolog ist, finden wir zum Beispiel bei Phascolomys
Wombat unter den Marsupialien. Wir können jedoch noch einen Schritt weiter gehen.
Da nämlich ein Sesambein in der Ulnarsehne des M. extensor antibrachii triceps einem

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