wie nach einmal vorgefasster Ansicht alles einer solchen Theorie noch so Wider
sprechende in den Rahmen derselben hineingezwängt wird. So wäre das eine Factum,
dass bei Ornithodelphen und verschiedenen Didelphen neben einer Patella auch ein
Peronecranon vorkommt, hinreichend genug, die MARTiNs’sche Theorie zu widerlegen.
Denn da nach Martins die Fibula mit ihrer ursprünglichen rein hypothetischen Epi
physis proximalis, welche mit der Tibia verschmolzen sein soll, der Ulna homolog
ist, so muss also wohl nach eben dieser Ansicht das Olecranon einem Peronecranon
homolog sein. Zugleich ist aber nach Martins auch die Patella dem Olecranon
homolog, und die Art und Weise, wie dies mit Logik und MARTiNs’scher Theorie
Unvereinbare nun dennoch mit der MARTiN’schen Theorie in Einklang gebracht wird,
ist bezeichnend für die Richtung der vergleichenden Anatomie von Darwin. j )
6. Die Theorie von de Blainville und Gerdy. »Die Patella ist ein
Theil der Ficula. Die Fibula entspricht der Ulna, die Patella dem Olecranon.«
Diese Theorie ist falsch, denn wie wir gesehen haben, ist die Patella kein Theil
der Fibula und dem Olecranon nicht entsprechend. Dennoch ist diese Theorie die
verständigste, welche in der ganzen ersten Gruppe, die wir hiermit betrachtet haben,
aufgestellt ist. In aller Kürze wurde sie von de Blainville im Jahre 1818 1 2 * ) ausge
sprochen. Im Jahre 1829 schloss sich Gerdy 5 ) an dieselbe an und brachte Beweise
für dieselbe bei, welche de Blainville nicht gegeben hatte. Für das widersprechende
Verhalten, dass die Patella als hinteres Olecranon sich nicht mit der Fibula, der
hinteren Ulna, sondern mit der Tibia verbinde, suchte er keine neue Hypothese auf
zustellen, indem er alle weitere Bedenken dadurch abzuschneiden hoffte, dass er
dieses widersprechende Verhalten einfach als eine Anomalie erklärte. Dieser de
Blainville-GERDY’schen Theorie ist auch der Engländer Barclay 4 ) mit geringen
Modificationen gefolgt. Ja, die ganze Theorie ist von Martins unserem Goethe zu
geschrieben worden. Diesem Vorgänge kann ich nicht beistimmen, denn das zweite
Capitel der vergleichenden Knochenlehre von 1824, welches Ulna und Radius be
handelt, giebt, so richtig die in ihm ausgesprochenen allgemeinen Ansichten auch
sind, durchaus keinen fest aufgestellten Vergleich zwischen Radius und Tibia, Ulna
und Fibula. Aus dem 8ten Capitel des ersten Entwurfes einer allgemeinen Einleitung
in die vergleichende Anatomie, ausgehend von der Osteologie, vom Januar 1795
1) Auch die Behauptung Martins (1. c. pag. 500), bei Fracturen des Olecranon mit ligamentöser Heilung werde
das abgelös’te Olecranon zu einer wahren Patella brachialis, bcdarfHceiner Widerlegung, da derartige chirurgische Analogien
durchaus keine beweisende Kraft für vergleichend anatomische Verhältnisse haben können.
2) Vergl. de Blainville, nouveau dictionnaire d’histoire naturelle de Deterville, article Mamifc-res, tome XIX, pag. 91.
3 ) Vergl. Gerdy, note sur le parallele des os, bulletin universel de Ferussac, sciences medicales, tome XVI, pag. 369.
4 ) Vergl. Barclay, The bones of the human body. 1824.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.