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dies noch lange keine Torsion wäre, denn die Torsion soll auch nach der Martins-
GEGENBAUR’schen Theorie den ganzen Knochen betreffen, wie die Linea aspera an
zeigt) aber wie gesagt alles dieses zugegeben, wesshalb wachsen die dia-epiphysen
Knorpel, um grade in dieser Richtung eine Torsion hervorzubringen, wesshalb nicht
in der entgegengesetzten, wesshalb nicht ohne überhaupt eine Torsion zu erzeugen?
Hierauf finde ich keine Antwort verzeichnet. Und ich wüsste mir auch keine auf
diese Frage zu geben.
Betrachten wir dagegen die radio -pne- axiale Ansicht von der Verschiebung
der Unterarmknochen, so lässt sich hier allerdings das verschiebende Moment in der
Reihe der Wirbelthiere nachweisen, ja es lässt sich sogar nachweisen, wesshalb in
der hinteren Extremität keine homologe Verschiebung der Tibia und der Fibula Statt
o-efunden hat. Bei den Enaliosauriern nämlich sind beide Extremitäten, vordere und
hintere, noch vollkommen gleich, da sie noch vollkommen gleiche Function haben.
Die Stammväter der heutigen Amphibien aber kamen an’s Land, neue Functionen
traten an die Gliedmassen heran, und dass diese nicht für vordere und hintere Ex
tremität die gleichen waren, werden wir gleich sehen. Die hintere Extremität nämlich
musste hauptsächlich den Körper, der sich noch wenig über den Boden erhoben
hatte, auf dem Boden fortschieben, die prseaxialen Oberschenkelmuskeln oder physio
logisch ausgedrückt die Extensoren des Unterschenkels und die postaxialen Unter
schenkelmuskeln, das heisst die Beuger des Fusses mussten das Uebergewicht ge
winnen. Die vordere Gliedmasse diente zwar auch zur Fortbewegung auf dem Erd
boden, aber in geringerem Masse und die Richtung controlirend, in welcher die hinteren
Gliedmassen den Körper vorwärts schoben. Der Hauptzweck der vorderen Glied
massen war das Ergreifen und das Festhalten der Beute, hierzu aber wurden die
postaxialen Oberarmmuskeln oder physiologisch ausgedrückt die Extensoren des Unter
armes und die postaxialen Unterarmmuskeln, d. h. die Beuger der Hand hauptsächlich
verwendet, und so mussten auch diese das Uebergewicht gewinnen. Während also
an den Antibrachial- und Cruralmuskeln das gleiche Verhältniss blieb, zeigte sich,
dass am Oberarm und Oberschenkel ein entgegengesetztes Verhalten auftrat, indem
am Oberarm die postaxialen, am Oberschenkel die praeaxialen Muskeln das Ueber
gewicht gewannen. Um aber die gewaltige Kraft dieser stärker entwickelten Muskeln
zu reguliren, ja in gewisser Weise noch zu heben, sehen wir leicht zu erklärende
Hemmungsvorrichtungen gerade an diesen Muskeln auftreten. Durch die stärkere
Reibung der distalen Endsehne an der Gelenkkapsel, welche sie passirt, veranlasst,
sehen wir ferner gerade zwischen den Endsehnen dieser Muskeln und der Gelenk
kapsel faserige, knorplige oder knöcherne Scheiben eingesetzt. So zeigen schon viele
Anuren eine faserige Scheibe zwischen der distalen Sehne des M. extensor antibrachii
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