24
Als ich die unlösbaren Widersprüche fand, welche sich durch die radio-post
axiale Torsion des Humerus ergeben, untersuchte ich sämmtliche amphipneumonen
Wirbelthiere, welche mir im hiesigen zoologischen Museum zugänglich werden konnten,
und zu meinem Erstaunen fand ich, dass sich alle Verhältnisse, welche durch die
obige Theorie in unheilbare Verwirrung gerathen, auf das leichteste durch einen
Process erklären lassen, der sich gradehin durch die ganze Amphipneumonen - Reihe
geltend macht.
Ich übergehe in unserer Betrachtung derselben die Dipneusten, welche in Ce-
ratodus den primitiven, in Lepidosiren den dem primitiven zunächst stehenden Zustand
der freien Gliedmassen aufweisen, von welchem Primitivverhältnisse sogar die Ver
hältnisse der Selachierflosse abgeleitet werden müssen. Somit kommen wir zur zweiten
Abtheilung der Amphipneumonen, zur fünften Classe der Wirbelthiere, zu den Enalio-
sauriern. Den einfachsten Zustand finden wir bei Ichthyosaurus. Die vordere freie
Gliedmasse ist der hinteren in allen wesentlichen Theilen vollständig homolog. Die
Cavitas glenoidalis, durch Scapula und Coracoid gebildet, steht nach hinten, an ihr ar-
ticulirt der dicke Kopf des kurzen, prismatischen Humerus, der an seinem distalen
Ende zwei Pacetten aufweist, welche che Gelenkflächen für Radius und Ulna darstellen.
Dieses sind kurze flache Knochen. Der Radius liegt am Gondylus internus, die Ulna
am Condylus externus humeri. Ein Olecranon ist nicht vorhanden. Blicken wir jetzt
auf Plesiosaurus, so bemerken wir ein, wenn auch nur geringes Abweichen von
diesem Zustande. Die Ulna ist nämlich etwas nach hinten gerückt, der Radius etwas
nach vorn; auch ist die Ulna postaxial convex, praeaxial concav, der Radius umgekehrt.
Wir verlassen hiermit die Enaliosaurier und gehen zu den Amphibien. Hier finden
wir die Abweichung, die wir schon bei Plesiosaurus im Verhältniss zu Ichthyosaurus
constatiren konnten, weiter forgeschritten. Die Perennibranchiaten schliessen sich zu-
nächst an jene frühesten Zustände vollständiger Homologie der beiden freien Glied
massen an. Der Radius liegt um ein geringes vor der Axe. Die Ulna um eben so
viel hinter derselben. Die proximale Apophyse der Ulna erhebt sich etwas über die
Axe des Brachio-antibrachialgelenkes. Diese Zustände sind fast identisch mit denen,
welche die Wendzustände der Derotremen und Salamandrinen und die Larven der
•J o
Anuren darbieten. (Owkn.) Bei den letzteren bemerkt man allmählig eine Ver
schmelzung der antibrachialen und cruralen Skeletstücke zu je einem antibrachialen
und cruralen Knochen. Die erwachsenen Anuren zeigen diese Verschmelzung voll
ständig mit Ausnahme des distalen antibrachialen Gelenkendes, an dem man noch die
Constituenten unterscheiden kann. Der Radius lässt sich deutlich nach innen verfolgen,
seine grössere Partie aber liegt vor der Ulna, so dass die Anuren einen abermaligen
Portschritt jener in obigem Sinne, das heisst im radio - praeaxialen Sinne, vor sich

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.