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war, aufweisen konnte. Ich gebe zu, dass individuelle Verhältnisse eine grosse Rolle
bei allen derartigen Messungen spielen, dass alle aus derartigen Messungen sich er
gebenden Resultate nie einen absoluten, sondern stets nur einen annähernden Mittel
werth repräsentiren, aber solch’ enorme Schwankungen, wie sie die gegebene Tabelle
aufweist, können weder einen annähernden Mittelwerth geben, noch einer neuen
Theorie als haltbare Stützen dienen. Wenn eine progressive Torsion des Humerus
während der embryonalen Periode nachgewiesen werden soll, so darf ein Embryo
von 33 Wochen nicht Zehn-Elltel des 1 orsionswmkels aufweisen, den ein andeiei
von i6 Wochen hat, ohne dass eine besondere Erklärung dieses widersprechenden
Factum folgt. So aber geht es weiter: während Gegenbaur den Mittelwerth des
Torsionswinkels am Humerus indogermanischer Embryonen zu 139 0 findet, wird der
von Neugeborenen zu 135 °, also noch geringer gefunden, während nach der
Torsionstheorie das Gegentheil zu erwarten stand. Gegenbaur selbst hat sich die
Schwierigkeiten durchaus nicht verhehlt, welche aus diesen schwankenden Werthen
erwachsen, ist jedoch der Ansicht, dass Angesichts der Ihatsache, dass dei mittlere
Werth des Torsionswinkels am Humerus von Embryonen kleiner als bei Kindern,
und der von Kindern wieder kleiner als von Erwachsenen sei, trotz jener Schwan
kungen eine Drehung des Humerus um seine Eängsaxe als erwiesen betrachtet werden
müsse. Und wie mir scheint, kann man eine solche Drehung innerhalb gewisser Glän
zen trotz der schwankenden Werthe allerdings zugeben, aber diese schwankenden
Werthc haben zur Folge, uns an dem progressiven Torsionsprocess am Humerus von
o 0 bis 168 0 zweifeln zu machen, und die Winkelschwankungen, die sich zwischen
den distalen und proximalen Gelenkaxen des Humerus finden, für ähnliche zu halten,
wie sie sich für die Winkel nachweisen lassen, welchen die proximalen und distalen
Gelenkaxen anderer Skeletstücke bilden, ohne dass man für letztere hypothetisch eine
einst erfolgte Torsion verlangt. Dieser Zweifel wird vermehrt, wenn wir an anderen
Skelettheilen, an denen man keine erfolgte Torsion voraussetzt, Spirallinien nach
weisen können, die sich um den Knochen schlingen, wie sich die Linea aspera um
den Humerus schlingt. Betrachten wir zum Beispiel eine Fibula, so finden wir eine
scharfe Kante postaxial am Malleolus von dem Puncte aufsteigen, an welchem das
Ligamentum fibulare tali posticum seinen Ansatz nimmt. Von hier schlägt sich diese
Linie allmählich immer weiter nach aussen rückend nach oben, indem sie zunächst
den lateralen Fasern des M. flexor hallucis longus, dann denen des M. soleus zum
Ursprünge dient, um endlich zwischen dem Tuberculum bicipitale und dem Tuberculum
peionei longi am Capitulum fibulae ganz nach aussen gelangt zu enden. Mit dem
selben Rechte wie beim Humerus könnten wir behaupten, diese Linea aspera fibulae
sei der I orsionsindex einer einst von aussen nach innen erfolgten Torsion der F ibula,

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