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humeri bezeichnen. Wie gesagt, diese Spirallinie war längst vor Martins bemerkt
und beschrieben. Martins nun kam, da die Zeit grosse Schwierigkeit in dem an
scheinend paradoxen Verhältnisse fand, dass der Radius, den man schon damals nach
dem Vorgänge von De Blainville allgemein der Tibia gleichsetzte, am Condylus ex-
ternus humeri, die Tibia jedoch gegen den Condylus internus femoris entspringt, auf
den Gedanken zum Zwecke der Vergleichung der vorderen und hinteren Extremität
die beschriebene Spirale vom Humerus abzuwickeln, das heisst den Humerus zurück
zudrehen, bis die Articulatio humero - radialis, also das proximale Ende des Radius
sammt dem Condylus externus humeri nach innen zu liegen kommt. Er nahm nicht
an wie sein Nachfolger Gegenbaur, dass der Humerus je, sei es in der Reihe
der Wirbelthiere, sei es in der individuellen Entwickelung, actuell diese Drehung
vollzogen habe, er gab nur an, dass zur möglichen Vergleichung der vorderen und
hinteren Extremität man sich den Humerus um seine Längsaxe im entgegengesetzten
Sinne seiner Torsionsspirale retorquirt denken müsse. Die Torsionstheorie, welche
Martins aufstellte, betraf also eine potentielle Torsion des Humerus, die durch Gegen-
baurs Untersuchungen zu einer Theorie der actuellen Torsion des Humerus erhoben
wurde. Die Neigung, solche potentiell geforderten Körpertheile aufzustellen, ja sogar
sie mit anderen unverändert gelassenen Körpertheilen in einen anatomischon Vergleich
zu ziehen, lag in der Richtung jener Zeit, wofür die Forderung Martins, das Ho-
mologon eines Os ilium in dem Spiegelbilde der Scapula der gleichen Körperhälfte
zu suchen, an welche Forderung sich die eingehendsten anatomischen Vergleiche
schliessen, ein schlagender Beweis ist. ! ) Wie gesagt, Martins behauptete, den Tor
sionsindex des Humerus habe die Natur in der Spirale gegeben, welche die Linea
aspera humeri um den Knochen schlägt. Um den leicht möglichen Verwirrungen bei
diesen Untersuchungen zu entgehen, kann man die beschriebene potentielle und actuelle
Drehuno- des Humerus leicht dadurch nachahmen, dass man einen Humerus am Collum
chirurgicum durchsägt, und so die Möglichkeit erhält, den Humerus um seine Längs-
axe zu rollen. Aufs Höchste wird die Drehung dadurch nachgeahmt, dass man, wie
Martins es vorschlägt, 2 ) einen Humerus bis an das Collum chirurgicum in eine ver
dünnte wässerige Salzsäurelösung hängt und auf diese Weise einen Humerus herstellt,
der bis auf seinen chirurgischen Kopf decalcinirt ist und in der ganzen distalen Aus
dehnung sich leicht um seine Längsaxe torquiren lässt.
') ^crgl. Martins, nouvclle comparaison etc. 512.
) Vcrgl. Martins, nouvelle comparaison etc. 482,

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