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Die drei in Rede gestellten Fortschritte, welche in dieser Tabelle ausge
sprochen sind, sind folgende:
Es ist erstens die Unordnung aufgehoben, welche in früheren Arbeiten durch
die Clavicula entstand. Die Clavicula wurde dem Os pubis verglichen und homodynam
gesetzt, indem man einerseits das Procoracoid, andererseits die differenten Entste
hungsverhältnisse der Clavicula und des Os pubis aus den Augen liess. Denn wie
die Clavicula phylogenetisch ein secundärer Knochen ist, d. h. ein Knochen ist, der
sich aus sofort ossificirendem Gewebe bildet, indem sie zuerst bei den Acipenserinen
unter den Ganoiden auftritt und sich als bindegewebiger, corialer Integumentalknochen
auf den unter ihr liegenden primordialen Schultergürtel senkt, so ist sie auch onto-
genetisch ein von einem primären Knochen sich wesentlich unterscheidendes Skeletstück.
Denn selbst noch beim Menschen entsteht die Clavicula in ihrer ersten Anlage aus einem
sofort ossificirenden Gewebe, welches allerdings nach beiden Seiten hin in entschie
denen provisorischen Knorpel sich fortsetzt. ! ) Sie unterscheidet sich also von einem
primären Knochen dadurch, dass sie, wenn auch nur in ihrer ersten Anlage, unmittel
bar ossificirt, während ein primärer Knochen in seiner vollen Ausdehnung aus provi
sorischem Knorpel hervorgeht. Es stellt sich somit die Clavicula auf eine Stufe mit
den Integumentalknochen des Schädels, selbst wenn sich in der aufsteigenden Reihe
der Wirbelthiere das Bestreben geltend macht, die Clavicula von einem secundären
Knochen zu einem primären durch Anpassung umzubilden. 2 ) Das Os pubis hingegen
ist in der Reihe der Wirbelthiere wie ontogenetisch ein rein knorpelig praeformirter
Knochen. So ist die differente Entstehungsweise der Clavicula und des Os pubis das
Moment gewesen, welches die vermeintliche Homologie beider vernichtete, während
überdies das wirkliche Homologon des Os pubis in einem ebenfalls primären, aber
früh in der Reihe der Wirbelthiere verschwindenden Knochen, dem Procoracoid, ge
funden ist. Dieses Procoracoid, welches bei den urodelen Amphibien zuerst auftritt,
verschwindet bei den Crocodilinen, um nur noch einmal bei den Ratiten aufzutauchen,
und einen abermaligen Beweis für die nächste Verwandschaft dieser merkwürdigen
Unterclasse mit den Sauriern zu liefern. (Gegenbaur. Huxley.)
Der zweite Fortschritt, welcher in der gegebenen Tafel ausgesprochen ist,
') Vergl. Bruch. Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. IV. 371.
Gegenbaur. Jenaische Zeitschrift für Medicin und Naturwissenschaft. I. 7.
» Untersuchungen zur vergleichenden Anatomie der Wirbelthiere. II.
2 ) Dieselbe Erscheinung bemerken wir in dem Verhalten des episternum in der Reihe der Wirbelthiere. Während
es bei den Reptilien ein secundärer Knochen ist und es bei den Vögeln wahrscheinlich durch einen Bandapparat zwischen der
Furcula und der Crista sterni vertreten wird, finden wir es bei den Amphibien und Säugethieren als primäres Skeletstück, das
beim Menschen nicht mehr ossificirt, sondern als Meniscus im Sterno-Claviculargelenk erscheint. ■

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