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ich kein Arzt im gegebenen Falle Bedenken zu tragen, seinen Patienten die operative
Entfernung eines solchen. Tumors anzurathen, zumal da nicht zu hoffen ist aut irgend
eine andere Weise das Leiden zu beseitigen. Denn was würde das Loos einer
Patientin sein, die sich nicht der Operation unterzöge? Nehmen wir zunächst den
günstigsten Fall an: Die Geschwulst, die während der Schwangerschaft sehr rapide
gewachsen, stände nach Beendigung derselben im Wachsthum still. So bleibt einmal
die grosse Geschwulst, die sich bei jeder raschen Bewegung, beim Bücken u. s. w.
hinderlich zeigt und bemerkbar macht; es bleibt ferner die Gefahr, dass ohne jede
Veranlassung oder bei erneuter Gravidität, das Wachsthum von Neuem begönne und
dass so die Grösse der Geschwulst eine für die Patientin unerträgliche Last würde.
Ein Stehenbleiben im Wachsthum ist aber selbst bei den gutartigen Neubildungen nicht
häufig, vielmehr wachsen sie in der Regel beständig wenn auch nicht zu jeder Zeit
mit derselben. So breiten sie sich immer mehr aus, verwachsen immer mehr, und
wirken durch ihre Ausdehnung störend auf die Organe cies Unterleibes. Noch andere
Momente, von denen Santerson (Hygiea Bd. 17) einige erwähnt, können hinzutreten
und die Gefahr dieser Tumoren bedeutend erhöhen. Durch äussere Veranlassung oder
auch spontan können in denselben allerlei krankhafte Processe entstehen, wodurch sie
dem Leben Gefahr drohen, wie da sind Hämorrhagien, Entzündungen und die daraus
folgende Ulceration. Man hat beobachtet, dass solche Patienten an Pyämie oder an
Verblutung starben, welche durch Zerreissung der in der Geschwulst befindlichen Blut
gefässe herbeigeführt war.
Wegen dieser Gefahren sollte man die Operation nicht zu lange aufschieben,
sondern eingedenk der Thatsache, dass mit dem Tumor die Schwierigkeit und Gefahr
der Operation wächst, dieselbe rechtzeitig vornehmen. Glücklicher Weise rächt sich
bei diesen gutartigen Neubildungen eine Zeitverzögerung nicht so schwer wie bei den
bösartigen. Denn während diese, besonders wenn noch durch stetiges Kataplasmiren
nachgeholfen wird, in wenigen Wochen eine grosse Ausdehnung annehmen können,
indem sie ganz diffus in die Gewebe hineinwuchern, und so jeden Eingriff mit dem
Messer ganz unmöglich machen, so wachsen jene weit langsamer und bleiben dabei
gegen die Ncchbarorgane fast immer scharf abgegrenzt, ein Umstand der die völlige
Entfernung auch ganz grosser Tumoren ermöglicht. P'reilich giebt es ja auch hier
eine Grenze des Möglichen, und es kommen Fälle vor wo diese überschritten, oder
wo complicirende Krankheiten eine eingreifende Operation geradezu verbieten. Für
solche F'älle braucht der Arzt Mittel, welche dem Patienten seine Leiden mildern, und
welche, wenn sie auch nur wenig Aussicht auf wirklichen Erfolg haben, doch dem
selben eine Beruhigung gewähren. Dass man in solchen Fällen dasjenige Mittel wählt,
von dem man vielleicht schon einmal in einem ähnlichen Falle Erfole gesehen hat oder
O o

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