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zugänglich sind. Erschwert wird dieselbe durch zugleich bestehende Schwangerschaft,
wo dann, durch die bedeutende Spannung der Bauchdecken, ein Umgreifen oder Ver
schieben des Tumors unmöglich wird und es unter Umständen zweifelhaft werden kann,
ob der Tumor ein sub- oder intra - peritonealer ist. In anderen Fällen kann freilich
besonders bei Zuhülfenahme einer inneren Untersuchung, eine Verwechslung nicht Vor
kommen. Die Hatte Oberfläche, die feste Consistenz, die bisweilen mit kleinen un-
deutlich fluctuirenden Stellen abwechselt, die äussere Haut die ganz unverändert den
grossen Tumor überzieht, alles dies lässt sofort eine fibröse gutartige Neubildung er
kennen , und es wird meist unnöthig sein, den akidopeirastischen Apparat und das
Mikroskop zur Hülfe zu nehmen. Etwas, was gerade für uns von besonderer Wich
tigkeit wäre, können wir aber auch bei der genauesten Untersuchung, nicht mit
Bestimmtheit erkennen, das ist ob und in welcher Ausdehnung der Tumor mit dem
Peritoneum verwachsen ist; deshalb werden wir gut thun in dieser Hinsicht die Er
fahrung zu Hülfe zu nehmen, die da zeigt, dass in den meisten Fällen eine solche
Verwachsung existirt, und darnach unsere Prognose und die Vorbereitungen zur
Operation zu modificiren.
Die Grösse der Bauchdeckentumoren war in fast allen Fällen eine recht be
trächtliche, bis zu der eines Manneskopfes. Dennoch beschränkte keiner derselben in
besonderer Weise die physiologischen Funktionen des Unterleibes. In den Fällen wo
sie mit Schwangerschaft complicirt waren, verlief dieselbe sowie die Geburt normal.
Auch war ihr Wachsthum nie mit bedeutenderen Schmerzen verbunden. Die Beschwerden
die sie machten wurden vorzüglich durch ihre Grösse und ihr Gewichter zeugt. Bei jeder
Bewegung der Patienten bewegte sich natürlich der schwere und verhältnissmässig
leicht bewegliche Tumor mit, und wurde auf diese Weise lästig und bei der Arbeit
hinderlich Vorzüglich wurden diese Geschwülste durch ihr rapides Wachsthum Gegen-
stand täglicher Angst und Sorge für die Patienten und veranlasste sie bei einem Arzt
Hülfe zu suchen.
Es ist hier zu Lande, und es wird in anderen Ländern auch wohl so sein,
besonders bei der Landbevölkerung, Sitte, bei jeder chronischen Kranheit, die nicht
mit besonderem Schmerz verbunden ist. zunächst mit den gewöhnlichen Hausmitteln
Versuche anzustellen, und dann, wenn diese nicht helfen, zu einer alten P rau zu gehen,
die vielleicht 8 Tage vorher ein Kalb oder ein Schaaf durch irgend welchen Wunder
trank o-eheilt hat und deshalb in besonders gutem Andenken steht, und von dieser

sich ein Mittel zu holen. Dies Mittel wird dann von der betreffenden Person, wenn
sie auch absolut keine Wirkung desselben verspürt, mit viel grösserer Gewissenhaftig
keit und Ausdauer genommen, als dasjenige, welches von einem Arzte gegeben wurde.
Lange Zeit hindurch giebt man sich der Hoffnung hin. dass durch dies oder jenes

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