Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1875 (Band XXII.)

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Peritoneum zu verletzen, zurückliess. Es hatte sich nämlich beim Abtragen des letzten 
Theils eine kleine Oefifnung gezeigt, die in die Peritonealhöhle zu führen schien, die 
deshalb sofort mit einer Ligatur abgebunden wurde. 
Der Blutverlust war verhältnissmässig unbedeutend. Die Wunde wurde mit 
einem Oelverband verbunden. 
Es ging die Heilung ohne weitere Zwischenfälle, besonders ohne peritonitische 
Erscheinung gut vorwärts und konnte Patient am 3. März d. J. völlig geheilt entlassen 
werden. 
Die Untersuchung der Geschwulst ergab einen fibrös-zeiligen Bau derselben 
mit Einlagerung von Cysten, die mit gelblicher seröser Flüssigkeit angefüllt waren. 
Leider ist es mir nicht gelungen, etwas über das weitere Schicksal dieser 
Frau zu erfahren. 
Die jüngste dieser Operationen, und vielleicht die erste bei der die antiseptische 
Methode zur Anwendung kam, ist die am 24. November v. J. auf der hiesigen- 
chirurgischen Klinik vom Herrn Prolessor Esmarch ausgeführte. 
Anna B., 28 Jahr alt, ist von Jugend auf gesund gewesen, hat 2 mal ge 
boren, das letzte Mal vor 21 Wochen, beide Geburten verliefen normal. Von Anfang 
der letzen Schwangerschaft an, also vor circa 60 Wochen bemerkte Patientin an ihrem 
Unterleibe eine Geschwulst, welche bis zur Geburt des Kindes von ihr für ein zweites 
Kind gehalten wurde. Die Geschulst wuchs allmählig, machte jedoch seit der letzten 
Geburt wenig Fortschritte. Abgesehen von dann und wann anltretenden Leibschmerzen, 
welche von der Patientin der Geschwulst zugeschrieben werden, verursachte dieselbe 
keine Schmerzen und war nur bei Bewegungen, besonders in gebückter Stellung 
hinderlich. 
In der rechten Hälfte der Bauchwand ist ein Tumor bemerkbar, der unter dem 
rechten Rippenbogen beginnend, nach links sich 4 Cm. über den Nabel hinaus er 
streckt, nach unten etwa 6 Cm. vom ligamentum Poupartii entfernt bleibt. Der 
Tumor ist nicht mit der Haut verwachsen; er ist leicht beweglich, man kann ihn sogar 
um seine Läntrs-Axe drehen. Seine Oberfläche ist eben und fest. Die Länge derselben 
beträgt 19,5 Cm., seine Breite oben 12 unten 13,5 Cm., seine Dicke 6 Cm. Ob der 
Tumor mit dem Peritoneum verwachsen ist oder nicht, lässt sich mit Bestimmtheit 
nicht nachweisen. 
Da die Frau selbst dringend die Operation wünscht, wird dieselbe am 24 October 
vorgenommen. 
Fis waren, weil eine Eröffnung der Peritonealhöhle zu erwarten stand, am 
Page vorher Abführmittel gereicht, und am Morgen noch Klystiere gegeben, • um 
so eine möglichste Pmtleerung des Darms zu erreichen.
	        

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