Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1875 (Band XXII.)

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des Tumors in der Wunde zurücklässt. Die Oeffnung im Peritoneum wird mit Pferde - 
haaren vereinigt, und auch die Hautwunde durch blutige Nähte verschlossen. 
Die nähere Untersuchung der Geschwulst ergab ein hartes Fibrom. 
Am 26. d. M. war die Heilung der Wunde ohne weitere Zwischenfälle vollendet, 
und wurde Patient bald darauf in ihre Heimath entlassen. 
Auf meine Vorfrage nach dem Befinden der Margaretha B. wurde mir mitge- 
theilt, dass dieselbe bereits am 18. August 1862 in Folge zu frühen Aufstehen aus 
einem Wochenbett verstorben sei. Ihre Umgebung will bemerkt haben, dass die Ge 
schwulst während der Schwangerschaft wieder im Wachsen begriffen gewesen. 
Der Tod erfolgte also 2 Jahre nach der Operation, nachdem Patient eine 
normale Geburt überstanden. 
CatharinaM., 29 Jahr alt, bemerkte zuerst im Herbst 1863 zufällig einen 
erbsengrossen Knoten rechts unten vom Nabel, der unter der unveränderten Bauch 
haut verschiebbar war. Von da an ist der Tumor allmählig ganz schmerzlos heran 
gewachsen. Vor 7-2 Jahr, zur Zeit ihrer letzten Niederkunft, hatte derselbe die Grösse 
einer Faust erreicht. Da die Geschwulst schon damals, wenn sie lose herunterhing, 
stark spannte, so verordnete ihr der behandelnde Arzt eine Leibbinde, die sie bis 
jetzt getragen hat. In der letzten Zeit ist die Geschwulst rasch bis zu ihrer jetzigen 
Grösse herangewachsen und will Patient bemerken, dass sie noch stetig an Umfang 
zunimmt. 
Bei der Adspection findet man eine fast Mannskopfgrosse Geschwulst von 
längsovaler Form, die am Nabel beginnt, und nicht unterstützt bis zur symphysis ossis 
pubis herabreicht. Der grössere Theil des Tumors liegt aut der rechten, der kleinere 
auf der linken Seite der linea alba. Derselbe fühlt sich elastisch und hart an, bis 
auf den nach unten und links gelegenen Theil, der deutlich fluctuirt, und durch eine 
äusserlich sichtbare Furche von dem grösseren Abschnitt getrennt ist. Die Oberfläche 
ist etwas geröthet und von dicken Venen durchzogen. Die Haut ist über der Ge 
schwulst stark ausgedehnt und verdünnt, lässt sich aber in kleinen Falten abheben. 
Die Länge des Tumor vom Nabel nach abwärts beträgt 26 Ctm., die grösste Breite 
24 Ctm., der Umfang der Basis 52 Ctm. 
Am 23. Januar 1865 wurde die Operation zur Entfernung dieses grossen 
Tumors vorgenommen. Es wurde ein Schnitt über die Convexität desselben gemacht 
und hierauf mit geringer Mühe die Geschwulst bis an die Basis hin lospräparirt. 
Schwieriger war die Loslösung an der Basis, da der Tumor hier nicht so gut be 
grenzt war. Um ein freieres Operationsfeld zu bekommen, wurde der grösste Theil 
der Geschwulst bis auf die Basis abgetragen. Dann wurde mit vorsichtigen Schnitten 
auch der Rest entfernt, bis auf einige kleine Stellen, die man aus Besorgniss, das
	        

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