Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1875 (Band XXII.)

8 
Peripherie zeigte sie zahlreiche ovale, lang ausgezogene Zellen und Kernfasern. — 
Es ist dies der einzige Fall, wo keine Verwachsung des Peritoneums mit der Ge 
schwulst bestand. 
Auguste S., 24 Jahr alt, kräftig und von blühendem Aussehen, wurde im 
iS. Jahre menstruirt, im 20. entbunden. Vor 2 Jahren bemerkte Patientin zufällig 
eine kleine, erbsengrosse, harte Geschwulst in den Bauchdecken rechterseits, oberhalb 
des Ligamentum Poupartii. Diese Geschwulst wuchs anfangs sehr langsam, im letzten 
Vierteljahre dagegen sehr rasch. Am 13. Januar 1S50 wurde Patientin in die An 
stalt aufgenommen. 
Eine sehr feste und harte, auf der Oberfläche lappig-höckerige Geschwulst 
von dem Umfang eines starken Kindskopfes nimmt die Unterbauchgegend der rechten 
Seite ein. Diese Geschwulst tritt durch die Bauchdecken wenig nach vorn, so dass 
kaum die Hälfte ihres Volumens äusserlich sichtbar ist, ragt dagegen tief in die 
Bauchöhle hinein, und kann durch die Bauchdecken mit der Hand nur mühsam um 
gangen werden. Sie ist gegen festen Druck etwas empfindlich, und verursacht, wahr 
scheinlich durch ihre Schwere, bisweilen ziehende Schmerzen. 
Es wurde die Geschwulst als ein Fibroid diagnosticirt, welches von den tieferen 
Schichten der Bauchwand, etwa von der Fascia transversalis, seinen Ursprung ge 
nommen haben musste, weil es so wenig nach aussen vorsprang, im Gegentheil tief in 
die Bauchhöhle hinabragte. 
Am 15. Januar wurde die Geschwulst exstirpirt. Ein 8 Zoll langer Hautschnitt 
trennte die Bauchdecken. Nachdem die Fascia obliq. extern, und der M. obliq. intern, 
durchschnitten worden, wurde die Geschwulst isolirt, wobei sich eine fast handgrosse 
Verwachsung derselben mit der Fascia transversalis zeigte. Diese letztere musste 
also durchschnitten und vom Saccus peritonei abgestreift werden, weil der gegen die 
Bauchhöhle vorspringende Theil der Geschwulst sonst nicht hätte entfernt werden 
können. Die Ablösung der Fascia transversalis von dem Peritoneum war nur mit 
den Fingern bewerkstelligt worden, letzteres lag fast in der Ausdehnung einer Hand 
unverletzt zu Tage, die Geschwulst war vollständig isolirt bis auf einen kleinern Fort 
satz derselben, der bedeutend tiefer gegen die Bauchhöhle vorsprang. Auch von 
diesem suchte der Operateur das Peritoneum mit grösster Schonung abzustreifen, als 
plötzlich beim leisen Hervorziehen der Geschwulst ein etwa 1 1 / 2 Zoll langer Einriss 
des Peritoneum entstand und eine Darmschlinge sofort hervortrat. Die vorgefallene 
Darmschlinge wurde nicht ohne Mühe reponirt, weil in demselben Augenblick ein, 
während der Chloroformnarkose so häufig eintretendes, heftiges Erbrechen erfolgte. 
Die Blutung aus der Wunde der Bauchwandung wurde durch Unterbindung zweier
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.