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• 7 J. Patient hat wieder heftige, aufallsweise auftretende Schmerzen im Zahnfleisch be
kommen, doch sind dieselben an andren Punkten, besonders am Ohr, nicht wiedergekehrt.
9 J. Seit 2.4 Stunden haben die Schmerzen vollständig aufgehört,
10. J. Die Schmerzen sind während der Dauer von 6 Stunden wieder anhaltend gewesen.
11* J Heute ist Patient vollkommen schmerzfrei. Die Wunde sieht gut aus; der nach
aussen und'hinten verlaufende Schnitt ist völlig verheilt, der vordere sieht blassroth aus und zeigt
die darin bloss liegende Schnittfläche des Os zygomaticum. Es werden Warmwasserverbände
angewendet. . . „. , \
15. J. Die Schmerzen sind nicht wiedergekehrt und ist Patient äusserst zufrieden und
glücklich. Nur bei heftigen Kaubewegungen erfolgt noch ein ganz momentan eintretender Schmerz,
der jedoch immer schnell vorübergeht. Die theilweise noch klaffende Wunde sieht gut aus, granu-
lirt und fängt an, sich zu verkleinern.
20 J. Patient ist den ganzen Tag über ausser Bett, kann ohne Schmerzen essen und
trinken. Der Mund lässt sich nicht ganz so weit öffnen wie früher, jedoch können die Zähne bis
über 1 Ctm. weit von einander entfernt werden. , ..
20. Februar. Die Wunde ist vollständig und ganz ohne irgend welche Entstellung geheilt;
die Schmerzaufälle sind seit dem 10. Januar niemals wieder aufgetreten; Patient ist sehr glücklich
und voll Dankbarkeit und kehrt mit neuem Lebensmuth in seine Heimat zurück.
Fall III.
Heinrich Christian Voss, 28 J. alt, Arbeiter aus Friedrich VII Koog in Dithmarschen,
wurde anfangs Januar 1875 in das akademische Hospital aufgenommen.
Anamnese: Patient wurde am 18. August 1870 in der Schlacht bei Gravelotte durch einen
aus einer Entfernung von etwa 1500 Schritt abgefeuerten Schuss in die linke Schläfengegend ver
wundet. Die Wunde veranlasste eine heftige Blutung und wurde Patient, nachdem er noch die
Kraft o-ehabt, sich selbst auf dem Schlachtfeld zu verbinden, bald bewusstlos. Wahrend der ersten
Tarn: nach der Verwundung stellte sich ein ziemlich starker Trismus ein, so dass die Zahnreihen
nur äusserst wenig von einander entfernt werden konnten. Nach Verlauf von 14 Wochen, während
welcher Zeit Patient im Lazareth den Typhus überstand, war die Kopfwunde geheilt, jedoch blieben
dumpfe, ziehende Schmerzempfindungen in der linken Gesichtshälfte vom Anfang der Verwundung
bis zum Verschluss der Wunde und darüber hinaus bestehen. Ja diese Schmerzen wurden manch
mal, besonders bei angestrengter Arbeit, so heftig, dnss längere Pausen in der Thätigkeit eintreten
Im Frühjahr 1873 kamen plötzlich bei dem Patienten zu diesen Schmerzen epileptiforme
Anfälle hinzu, die seit dieser Zeit öfter wiederkehrten und ihn zur Aufgabe seines angenommenen
Dienstes zwangen. Diese Anfälle traten plötzlich, ohne vorangehende Aura auf und bestehen in
länger oder kürzer dauernder Bewusstlosigkeit. Erbrechen hat niemals dabei Statt gefunden. Die
Anfälle nahmen allmählich an Heftigkeit zu, ebenso steigerten sich die Schmerzen im Gesicht und
Kopf und hat das Gedächtniss des Patienten seit Bestehen des Leidens bedeutend gelitten und
abgenommen.
Da ein achtwöchentlicher Aufenthalt im Julienstift zu Itzehoe, woselbst Patient fortwährend
mit inneren Mitteln behandelt wurde, keine Erleichterung der Schmerzen und keine Abnahme obiger
Anfälle brachte, wendete sich der Kranke hilfesuchend an das hiesige akademische Hospital, woselbst
er nach kurzem Aufenthalt in der medicinischen Abtheilung an die chirurgische abgegeben wurde.
Status praesens: Auf der linken Wange, etwas oberhalb des Process, temper, oss. zygomat.,

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