22
dicht am Orbitalrande durchtrennt. Ein zweiter Schnitt wird von der Höhe des Ohr's bis in das
untere Ende des ersten gelegt, der Process, teinpor. des Jochbeins durchsägt, der Masseter vom
Jochbein abgetrennt und der ganze Lappen nach oben zurückgeschlagen. Nachdem so die Eossa
spheno-palatina freigelegt ist, wird mit einem Scalpellstiel das Fett hei Seite gedrängt und
die Fissur, orhitat. inf. zugleich mit dem N. supramaxill. und dem N. alveolar, sup. frei vor
Augen gelegt. Die Arterie wird doppelt unterbunden und in ihrer Mitte durchschnitten. Der
ganz frei präparirte Nerv wird zunächst nach oben hin durchschnitten und darauf c. 1 Ctm.
weiter nach unten hin. Das Stück wird entfernt und mit demselben ein Theil des hinteren oberen
Zahnnerven. Nachdem die ziemlich bedeutende Blutung gestillt, wird die Wunde mit starker Car-
bolsäurelösung gereinigt, der Lappen wieder eingelegt, die Wundränder durch Näthe vereinigt und
ein Compressionsverband angelegt.
20. Decemb. Das in den ersten Tagen nach der Operation ziemlich starke Wund
fieber, welches sich am 9. bis auf 40° erhob, bildete sich bis zum 20. zu normaler Temperatur
zurück. Die anfangs auftretenden heftigen Kopfschmerzen sind am 14. völlig verschwunden. Auch
die zunächst sich zeigende bedeutende Schwellung der ganzen Gesichtshälfte legte sich schnell
nach Application warmer Verbände.
23. Dec. Der grösste Theil der Wundränder hat sich per primarn vereinigt; das Os zy-
gomaticum ist noch beweglich und kann man bei Druck kleine Eitermengen entleeren. Die
Schmerzen sind vollständig verschwunden. An der rechten Nasenseite, unter dem Auge und in
einem grossen Theile der Wange ist die Sensibilität erloschen.
25. Dec. Patient verlässt völlig geheilt und voll neuer Lebensfreude das Hospital.
Fall II.
Garsten Kickers, 60 J. alt, Oekonom aus Krummendiek, wurde am 4. December 1874 in
das hiesige medicinischo Hospital des Herrn Professor Bartels aufgenommen.
Anamnese: Patient, ein sonst gesunder und kräftiger Mann, leidet seit 5 Jahren an bis
zu ausserosdentlicher Heftigkeit gesteigerten neuralgischen Gesichtsschmerzen im Bereich des zweiten
Trigeminusastes. Er weiss über die Ursache des Leidens keine Aufschlüsse zu geben und ist auch
sonst zu wenig Beobachtungen der Schmerzsymptome gekommen. Die Schmerzanfälle sollen im
ersten der 5 Jahre weniger heftig, während der letzten 4 Jahre aber mit gleicher Intensität an
haltend gewesen sein.
Status praesens: Die Schmerzen treten anfallsweise und zwar in Pausen von 3 li — \ Stunde
in der rechten Gesichtshälfte in qualvollster Weise ein. Patient giebt mit Bestimmtheit einen
Punkt am hinteren Ende des Jochbogens an, von dem die Schmerzen in das Zahnfleisch des rechten
Oberkiefers bis in die Gegend des zweiten Backzahnes daselbst ausstrahlen. Hier concentrirt sich
der Schmerz für einige Augenblicke und verschwindet dann plötzlich. Uebt Patient auf die er
wähnte Stelle einen starken Druck aus, so lassen die Schmerzen etwas früher nach. Bisweilen,
aber früher häufiger als jetzt, verbreiten sich dieselben auch in den Unterkiefer, in die Schläfen
gegend und über das Scheitelbein hinaus bis hinter das Ohr. Keibt man über dem hintersten
Theile des Jochbogens mit dem Finger in senkrechter Richtung hin und her, so gelingt es häufig,
genau entsprechend dem erwähnten Schmerzpunkte, einen Knoten oder kürzeren Strang von Raben
federkieldicke zu fühlen. Drückt man diese Partie gegen den Knochen, so fühlt Patient, wie er
bestimmt angiebt, denselben Schmerz wie bei einem Anfall, nur ist derselbe etwas schwächer;
ein wirklicher Anfall wird jedoch dadurch nicht ausgelöst. Die lancinirenden Schmerzen werden
spontan sowohl als auch durch mechanische Insulte des hintersten Theiles vom Jochbogen oder des

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.