die motori sehen Lähmungen bei der jetzigen Ausbildung dieser Methode kaum mehr Vorkommen, die
Narbenentstellung eine kaum merkliche ist u nd überhaupt diese Einwände zu der Höhe des Leidens
in gar keinem Yerhältniss stehen; so kommen wir zu dem letzten, unsrem Operationsverfahren am
stärksten zu Leihe gehenden, Yorwurf.
Der Erfolg der Neurectomie soll nämlich immer ein entweder nur vorübergehender sein,
weil die durchschnittenen Nervenenden sich über kurz oder lang wieder vereinigen oder vom cen
tralen Stumpfe aus restituiren müssten - und in diesem Fall sei dann der Erfolg überhaupt nur als
ein „revulsiver Hautreiz“ anzusehen, der durch den blutigen Eingriff, die nachfolgende Wund
entzündung und Eiterung zu Stande komme — oder es sei überhaupt von keinem Erfolge durch
die Neurectomie die Rede. Glücklicherweise sind wir an der Hand der statistischen Tabellen in
der Lage, auch diesen Gegenbeweis als einen irrelevanten und leicht zu entkräftenden zmückzuweisen.
Wenden wir uns wieder zu der Wagner’schen Statistik, so weist dieselbe aufs Klarste nach, dass
bei 135 Fällen von durch die Neurectomie operativ behandelten neuralgischen Gesichtsschmerzen
Recidive nach Jahren in 25, nach Monaten in 18 Fällen ausblieben und die Zeitdauer des Erfolg’s
unbestimmt blieb 24 mal; Recidive traten ein nach Jahren (bis nach 3 Jahren) in 20, nach Monaten
in 32 Fällen, nach Tagen einmal; die Neurectomie blich erfolglos neunmal und endete mit tödt-
lichem Verlauf sechsmal. Ich überlasse es jedem selbst, aus diesen Resultaten einen Schluss über
den Werth des chirurgischen Verfahrens zu ziehen, der sich ja jedenfalls zu einem günstigen ge
stalten muss. Ich möchte sodann diesem Ergebniss der Gesammt - Summe auch noch den Erfolg
der Operation bei den von mir beobachteten hartnäckigen Fälle hinzuzählen und mich dahin aus
sprechen, dass ich den Ansichten von Bruns, Wagner u. A., der von 0. Weber und Stromeyer
gegenüber, ganz entschieden beipflichten muss, welche nämlich einen Nachlass der furchtbaren Leiden
bei Prosopalgien, die allen andren der Therapie zn Gebote stehenden Mitteln Widerstand leisten,
selbst wenn derselbe nur für Monate anhalten sollte, schon für einen grossen Gewinn halten. Da
uns aber nun in sehr vielen pernieiöseu Fällen die Aussicht winkt, durch die Neurectomie eine voll
kommene Heilung erstreben zu können, so ist nach meiner Ansicht diese Operationsmethode stets
als eine berechtigte zu betrachten. Sie darf, wie ich Wagner vollkommen beistimme, in ihren Er
folgen nicht geringer gewürdigt werden, als die Exstirpation einer qualvollen, recidivirenden Geschwulst,
als die ganze Reihe derjenigen Operationen, welche vollständige und dauernde Heilung nicht immer
sicher herbeiführen. —
Ziehen wir nun aus dem Angeführten zur besseren Uebessicht ein kurzes Resume für die
Indikationen der Neurectomie bei Prosopalgie, so möchte ich dieselbe in den Fällen folgender Art
als motivirt und indicirt hinstellen, wobei ich voraussetze, dass natürlich nur von Neurectomien an
Nerven sensibler Natur und zwar dann die Rede ist, wenn das neuralgische Leiden jeder andren
Therapie hartnäckig Trotz bietet:
1) Bei allen den Prosopalgien peripherischer Natur, welche nicht durch die Beseitigung des
örtlichen Reizes (z. B. cariöse Zähne, Knochennekrosen, Geschwülste u. s, w.) geheilt
werden.
2) In allen den Fällen, in welchen die Nervenbahn selbst — entweder in Folge peripheren
Reizes oder in Folge der mannichfachen, allerdings auch peripheren, jedoch in ihrem
Verlaufe reizend auf sie einwirkenden Ursachen — Sitz der Schmerzen ist.
3) Für alle die hartnäckigen Fälle, in denen weder für eine peripherische noch für eine
centrale krankhafte Reizung irgend eine Ursache aufgefunden werden kann.
4) In allen Fällen mit centralem Sitz, bei welchen die krankhafte Erregbarkeit des Central-
apparates eine Folge lange eingewirkt habender Reize peripherer Natur ist. Hier wird,

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