Wagner, Kühne, Kussbaum, Laugenbeck, Linharl u. A., welche sich um die nach allen
Seiten hin zu erreichende Vervollkommnung der Neurectomie verdient machten. Und als auf diese
Weise die Methode beinahe zur möglichsten Ausbildung und Höhe der Anwendung gelangt war,
erhoben sich wiederum die gewichtigen Stimmen von 0. Weber und Stromeyer gegen dieselbe.
Lassen wir hier noch die Worte dieser beiden Autoren folgen, so sagt 0. Weber'*) folgendes: Man
soll die empirische. Nacktheit solcher Versuche (der Nervendurchschneidungen) nicht mit dem Mantel
der Wissenschaft umhüllen. Sie sind ein Compromiss, den der Kranke und sein Arzt mit ein
ander machen; abhängig vom Gelüste der Kranken sind sie in eine Categoric mit dem Baun
scheidtismus, den Goldberger’schen Ketten, dem Hoffschen Malzextrakt u. s. w. zu versetzen, welche-
ja auch in vielen Fällen helfen, aber trotz aller Erfolge keine bleibende Stätte in der Wissenschaft
finden“. Und Stromeyer**) sagt gradezu: „Bei meinem principiellen Widerstreben gegen die Neu.
rectomie kann ich mich nicht entschliessen, deren Methoden zu beschreiben, sie gehören offenbar in
dieselbe Klasse von Mitteln, wie die Blasenpflaster, Schröpfköpfe, die Moxen, das Glüheisen, welche
selbst in solchen Fällen eine palliative Wirkung haben, wo sie gar nicht indicirt sind.“ —
So sind denn noch heutigen Tages die Ansichten der Chirurgen über den Werth und den Unwerth
der Nervendurchschneidungen vielfach verschieden. Obwohl neuerdings sich manche günstige Urtheile
über dieselben kund gethan haben, so müssen uns doch diese immer noch sehr differenten Meinungen über
die Nutzanwendung der Neurectomien bei Neuralgie im Bereich des Trigeminus gewiss auffordern, den
Ursachen dieser abweichenden Ansichten nachzugehen und dieselben etwas eingehender zu prüfen. —
Als einen wesentlichen Grund gegen ein Operativverfahren bei der besprochenen Krankheit
—- mag. dasselbe nun in der Neurotomie oder in der Neurectomie bestehen — finden wir zuerst an
geführt, dass das Wesen dieser Nervenstörungen meistens nicht in einer wirklichen funktionellen
Gewebsstörung, sondern in einer zu starken funktionellen Erregung der erkrankten sensiblen Nerven
beruhe, deren Ursache in den verschiedensten, von uns oben betrachteten, Momenten zu suchen sei.
Bei diesen mannichfachen Ursachen des Leiden’s nun könne die an irgend einem Punkte vorgenommene
Continuitätstrennung der gerade mit Schmerzen behafteten Nervenbahn aber desswegen keinen
Nutzen bewirken, da bei der fortdauernden Beizung von Seiten des betreffenden Grundleiden’s auf
das centrale Endo des durchschnittenen Nerven, doch immer nach den neuro-physiologischen Gesetzen
der excentrischen Erscheinung der Schmerz in das periphere Ende des durchtrennten Nerven hinein
verlegt und hier empfunden werde.
Was nun diese Beweisführung gegen die Ausübung eines chirurgischen Eingreifens bei
Prosopalgie anbetrifft, so können wir nach meiner Ansicht ruhig zugeben, dass wir bei Leiden wie
z. B. der Syphilis, bei chlorotischen und anämischon Allgemeinzuständen und vieleu auf Eefiex-
reizungen von ferner gelegenen Organen aus beruhenden Neuralgien, ferner bei Infection durch
Malariagift, dass wir da uns gern der Anwendung der Chirurgie enthalten können und die hierher
gehörigen Fälle der pharmaceutischen Therapie überlassen. Nur dann allerdings, wenn die auf diese
Categoric bezüglichen Mittel eine Heilung nicht herbeizuführen vermögen und die Patienten, durch
heftigste Qualen gefoltert, selbst die Operation dringend erflehen, glaube ich, dass es geradezu un
menschlich wäre, eine Heilmethode zu verweigern, welche doch immer sichere Aussicht auf temporäre
Erfolge dem trostlosen Dasein des Kranken gewährt. Gewiss wird man in solchen Fällen die
Besection des ursprünglich afficirten und nicht die der sekundär befallenen Nerven vorzunehmen
haben — Aber diese obigen Zustände sind es eben nicht allein, welche der Prosopalgie zu Grunde
liegen, sondern es kommt auch eine grosse Zahl von Fällen vor, in denen durch alle jene ange-
*) Handbuch der allgtneinen und speciellen Chirurgie von v. Pitha und Billroth Bd, II. Abtheil. 2.
**) Stromeyer, Krankheiten des Kopfes pag. 238—245.

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