mittel, besonders das Ol. Ricini, bald Chinin und Arsenik, welche hier zu helfen vermögen, bald
werden allerdings auch nur operative Eingriffe den Sitz der örtlich entfernten Krankheit beseitigen.
Freilich darf man gerade hei dieser Art der neuralgischen Schmerzen nicht ausser Acht lassen, dass
viele Kranken dieser Art sich ein Vergnügen daraus machen, ihre Leiden dem Arzte über Gebühr
auszumalen und Sogar durch allerlei kleine Fehler in den Vorschriften dieselbe hinzuhalten. Am
zweckmässigsten würde es hier sein, neben einer therapeutischen Behandlung durch moralischen
Einfluss auf den Kranken zu wirken.
Sind solche angeführten Causalindicationen nicht zu erfüllen und soll doch eine pharma-
ceutische Behandlung versucht werden, so hat das Argent, nitric nach Romberg (zu 0,06 pro die.)
wenigstens vorübergehende Erfolge aufzuweisen. Auch die innerliche nnd äusserliche Anwendung
der Narcotica, besonders des Opium, (Trousseau) Atropin, des Aether’s, Chloroform’s und die längere,
methodische Applikation der subcutauen Morphiuminjeetionen, alle diese Mittel werden vielfach ge
rühmt und angepriesen. Meglin will von dem Gebranch seiner Pillen (aus gleichen Theilen von
Flores Zinci und Extr. Hyoscyami bestehend) noch in sehr alten und heftigen Fällen Erfolg gesehen
haben. Versagen endlich alle diese Mittel ihre Wirkung, so möge man sein Heil noch mit der
Electricität versuchen, von der je nach der Individualität des Kranken der inducirte wie der con-
stante Strom zu wirken vermag. Beide haben die vielfachsten Lobpreisungen erfahren.
2) auf operativem Wege.
Die Methode der operativen Behnndlung äusserst hartnäckiger neuralgischer Gesichtsschmerzen
vermittelst der Neurectomie hat sich aus dem Verfahren der einfachen Continuitätstreniiung schmerz
haft irritirter Nerven, der Neurotomie,\ hervorgebildet. Es hat dieser chirurgische Eingriff zur
Heilung der Prosopalgie eine so wechselreiche Beurtheilung gefunden, eine so veränderliche Stellung
in der Lehre von der Chirurgie eingenommen; ist von seiner ersten Anwendung bis auf den heutigen
Tag so vieler Anfechtungen und so vieler Anpreisungen Gegenstand gewesen, dass ich nicht umhin
kann, auf diesen operativen Theil etwas näher einzugehen, indem ich das Entstehen und die Vol
lendung dieser Operationsmethode und sodann ihre Nutzanwendung in Bezug auf neuralgische Ge
sichtsschmerzen eingehender bespreche.
Es waren Albin und Galen, welehe, wahrscheinlich getrieben durch die in vielen Fällen
von Prosopalgie gänzliche Erfolglosigkeit aller pharmaceutischen Medicamente, auf den Gedanken
geriethen, durch Durchschneidung der schmerzenden Nerven in ihrer Continuität eine Heilung zu
versuchen« Wirklich ausgeführt wurde dieser Gedanke zueist von Marcchal, dem Leibarzte Lud
wigs XIV. Leider war gleich dieser erste Versuch insofern ein verkehrter, als derselbe an einem
Nerven angestellt wurde, der nach unsren heutigen Ansichten an und für sich zu den motorischen
gehört nämlich am Facialis. Freilich wurden diese Fehler bald erkannt, so dass man sich auf die
Nerven sensibler Natur beschränkte. Vorübergehende Erfolge sprachen für die neue Methode und
gelangte dieselbe, da sie an Huighton einen warmen Fürsprecher nicht allein, sondern auch einen
wirklichen Vervollkommner fand, auf Grund zahlreicher und glücklicher Erfahrungen bald zu viel
facher Anwendung. Diese glücklichen Resultate jedoch führten leider schnell zu grossem Missbrauch
und Unfug. Man begnügte sich wieder nicht mehr mit den sensiblen Nerven, man durchtrennte
auch die motorischen, ja manche Chirurgen gingen methodisch so vor, dass sie, von der Peripherie
ausgehend die verschiedenen Nerven successive bis zu ihrem Austritt aus den knöchernen Kanälen
verfolgten und durchschnitten. Dass gegen diese Ausschreitungen, die besonders von Mayo und
Klein ausgeübt wurden, bald cine Reaction erfolgen musste, lag aut der Hand. Denn wenn Mayo
wegen neuralgischer Schmerzen im Knie bei einem jungen Mädchen zuerst den Schenkel amputirte.
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