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gehenden Prozesse für uns in ein bisher unerklärtes Dunkel gehüllt sind, so kennen wir doch die
Ursachen, welche diese Vorgänge und Veränderungen der Nervensubstanz hervorzurufen im Stande
sind, etwas genauer. Um ein klareres Bild derselben zu entwerfen, wollen wir je nach den Ursachen
die Piosopalgien mit typischen, die mit atypischen Verlauf und die auf reflektorischem Wege ent
stehenden unterscheiden. Es ist diese Trennung von Gewicht, da die Ursachen einen augenschein
lichen Einfluss auf dio Dauer, die Recidivfähigkeit und den Zeitpunkt der Invasion der Scmerz-
anfälle ausüben,
Die intermittirende Prosopalgie befällt Personen ohne Unterschied sowohl des Alters als
auch des Geschlechts und zeichnet sich durch diesen Punkt gerade besonders vor der atypisch ver
laufenden Form aus. Als eine für sie sehr häufig zutreffende Ursache kennen wir die Infection des
Körpers durch Malariagift. In Malaria Gegenden kommt diese Neuralgie endemisch und sogar epi
demisch vor, womit jedoch nicht ausgeschlossen ist ihr sporadisches Auftreten in sonst gesunden
Landshaften. Unter den verschiedenartigen Malaria-Erkrankungen wird sie zu den larvirten Wechsel
fiebern gezählt. Die Erscheinungen an welchen die älteren Aerzte diese Krankheit hauptsächlich er
kennen wollten, so besonders das stete Vorkommen eines ziegelmehlartigen Sedimentes, sind in der
neueren Zeit nicht bestätigt gefunden worden. Auch die Veränderungen in der Milz und Leber
werden bei dieser Form der Intermittens nur höchst selten beobachtet. Ihren Sitz hat sie fast
stets im Verlaufe des N. supraorbitalis, so dass eine Seite der Stirn und des Auges von den
Schmerzen eingenommen wird. Ferner sehen wir die mit regelmässigem Typus auftretende Neuralgie
bei allgemeinen Dyskrasien, besonders bei auf anämischer und chlorotischer Basis beruhenden Körper*
Störungen, obwohl sie nach längerem Bestehen häufig in die chronische Form übergeht. Es sind
dies die Fälle, welche, obwohl uns die durch chlorotische Ernährungsstörungen bedingten Verände
rungen der Nerven noch unbekant sind, bei frühzeitiger Behandlung meistens der Heilung leicht
und schnell zugänglich sind —
Bei der Betrachtung der Ursachen, welche die atypische Prosopalgie hervorzurufen ver
mögen, müssen wir die peripherisch und die central einwirkenden Reize auseinanderhalten.
Die Zahl der ersteren ist eine ziemlich bedeutende und mannichfaltige. So hat man Fremd
körper gefunden, die in die Haut eingedrungen, hier unentdeckt stecken geblieben waren und nun
auf Verzweigungen des Trigeminus reizend einwirkten; (bekannter Fall von Jeffreys, in dem eine
Porzellanscherbe die Ursache war) so wirken häufig Narben durch ihr Contraktionsvermögen irri-
tirend auf sensible Trigeminusendigungen. Noch häufiger sind es Veränderungen an den Knochen
und Knochenkanälen, in welche sich die äussersten Ramifikationen des Quintus erstrecken, wie
Caries der Zähne und der Kieferalveolen, Exfoliationen der Knochenwände, Exostosen — bei welchen
rein localen Ursachen der Schmerz durch Irradiation auch auf sämmtliche sensiblen Aeste sich
verbreiten kann. Hierher gehören noch circumscripte Ostiten und Periostiten, allgemeine Knochen
wucherungen, Verdickung und damit Verengerung der grösseren Nervenkanäle, wie es namentlich
bei syphilitischen Knochenaffectionen der Fall ist. Diese syphilitischen Wucherungen des Periost’s
finden sich am häufigsten an der Innenfläche der Schädelbasis, seltener ausserhalb derselben, wesshalb
denn auch bei diesem Leiden alle drei Aeste des Trigeminus von der Neuralgie betroffen werden
können. Letzteres ist natürlich nicht der Fall, wenn Tophi vereinzelt am Stirnbein, in der Orbita,
am Ober- und Unterkiefer sich entwickeln oder wenn gummöse Wucherungen in den einzelnen
Nerven selbst Vorkommen. Wir erkennen aus diesem ausserordentlich verschiedenen Auftreten der
syphilitischen Neubildungen, dass dieselben eben so gut auf periphere Nerven Verzweigungen als
auf centrale Organe sich erstrecken können. Auf ähnliche AVeise vermögen hydropische Anfüllungen
der Kieferhöhle, Fremdkörper der Nase, die verschiedenartigsten Neubildungen (besonders Carci-

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