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tnüssige Zuschauer des sich abspielenden Drama’s sein wollen, uns nichts andres übrig bleibt, als
zum Messer zu greifen und lieber mit einer, wenn vielleicht auch nicht für das ganze Leben der
Patienten anhaltenden Heilung als mit fortwährendem Umhertappen nach einein doch nicht heil
bringendem Medikamente zufrieden zu sein, so würde ich den Zweck dieser Schrift mit Freude er
füllt sehen!
Den Gang der Abhandlung werde ich am zweckmässigsten so einrichten, dass ich den
Symptomen, den verschiedenen Ursachen und den mannichfachen Behandlungsmethoden der Prosop
algie die Besprechung der von mir beobachteten Fälle anreihe.
lieber das Auftreten, die Symptome und den Sitz der Prosopalgie.
Von allen im menschlichen Körper vorkommenden Neuralgien sind die Verbreitungen der
selben im Verlauf des Trigeminus die schmerzhaftesten und die bei weitem am häufigsten vorkom
menden. Es kann wohl mit Becht behauptet werden, dass diese Erscheinung mit der Art der Ver
zweigung dieses Nerven zusammenhängt. Bedenken wir, dass die grösste Anzahl der sensiblen
Zweige desselben durch enge Knochenkanäle und noch engere Foramina hindurchtreten müssen —
meistens mit beiliegenden Gefässstämmen zusammen — so ist es klar, dass diese Zweige in den
beengten Bäumen durch mancherlei Ursachen einer Compression und Beizung ausgesetzt werden
können, die je nach der Stärke und der Dauer derselben heftige Schmerzen auslösen müssen. Ziehen
wir ferner in Betracht, dass die Endramifikationen des Trigeminus sich in Hautflächen vertheilen,
welche durch ihre fortwährende Entblössung allen Schädlichkeiten der Witterungseinflüsse, nament
lich nach ihrer Erhitzung und der nachfolgenden Schweissabsonderung leicht den plötzlich sich ver
ändernden Temperaturverhältnissen ausgesetzt sind, so wird uns die Häufigkeit, wenigstens der durch
peripherische Ursachen erregten Prosopalgien, etwas erklärlicher erscheinen. — Alle sensiblen Fasern
des Trigeminus können hei einwirkenden Beizungen Sitz der Schmerzen sein, jedoch ist selten
mehr als eiu Ast mit seinen Verzweigungen heimgesucht. Unter den drei Aesten des Nerven wird
am häufigsten der Bamus maxillaris superior zum Sitz der Krankheit und von dessen Zweigen
wieder, sowohl am meisten wie auch am furchtbarsten, die eigentliche Endfortsetzung, der Nervus
infraorbitalis. Der Häufigkeit neuralgischer Affektion folgt sodann der Bamus ophthalmicus, von
dessen Verbreitungsbezirk besonders der N. frontalis und supraorhitalis befallen wird. Der dritte
Ast des Trigeminus wird bei weitem am seltensten neuralgisch afficirt, ist dies jedoch der Fall, so
wüthet der Schmerz am heftigsten im Bezirk des N. mandibularis.
Die Prosopalgie tritt fast immer nur in einer Gesichtshälfte auf und sind die Schmerzen
sehr selten doppelseitig beobachtet worden. Dass eine Seite besonders disponirt sei, ist nicht
anzunehmen, obwohl Wagner in 18 Fällen sechszehnmal die rechte Gesichtshälfte und nur zweimal
die linke befallen sah. Doch giebt auch er an, dass er sich vergeblich bemüht habe, etwas mehr
als Zufälliges in dieser Erscheinung aufzufinden
Beim Sitz der Schmerzen im ersten Aste des Trigeminus treten dieselben entweder nur
au einzelnen Stellen der Verzweigungen desselben blitzartig auf, oder zugleich an der Stirn, den
Augenbrauen, der Schläfe, der Innenseite des Auges, der Caruncula lacrymalis und des oberen
Augenlides.
Bei Affektion der Umgehung des Auges und der Thränendrüse stellt sich starke Hyperämie
des Auges und Thränensekretion ein, ja es werden Fälle angeführt, wo durch die in Folge der
Prosopalgie hervorgerufene Mydriasis eine Herabsetzung der Sehschärfe, selbst völlige Amaurose
bewirkt wurden, welche nach Heilung der Krankheit ebenfalls wieder verschwanden. Ferner wurden

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