Die Prosopalgie und ihre Heilung durch die Neurectomie.
Im Laufe des vergangenen Jahres war mir die Gelegenheit dargeboten, im hiesigen akade
mischen Hospitale eine Reihe von Fällen ausgesprochener Prosopalgie zu beobachten, welche sammt-
lich den zweiten Ast des Nervus Trigeminus betrafen Diese Fälle flössten mir nicht allein dess-
wegen grosses Interesse ein, weil sie unter den wüthendsten Schmerzsymptomen bei den Kranken
auftraten und mit äusserster Hartnäckigkeit jeder empirischen Behandlung Widerstand leisteten,
auch sonst in ihren Erscheinungen manchlei Interessantes und Neues boten, sondern haupt
sächlich desshalb, weil das bei ihnen angewandte, vielfach angefochtene Operationsverfahren der
Neurectomie einen eben so schnellen als günstigen Heilausgang hervorrief.
Diese mich sehr iuteressirenden Resultate bewogen mich, den Herrn Geheimen-Rath,
Professor Dr. Esmarch um die gütige üeberlassung der erwähnten Fälle zur Veröffentlichung in
meiner Inaugural-Dissertation zu ersuchen, welche mir auch - wofür ich hier, meinem hoch ver
ehrten Lehrer den tiefgefühlten Dank auszusprechen, nicht unterlassen möchte - bereitwilligst zu
gestanden wurden. .
Ich möchte mir, wenn ich diese Fälle der Veröffentlichung übergebe, die Meinung nicht
rauben lassen, dass, da wir so häufig dieser äusserst quälenden Krankheit mit unserer Therapie völlig
hilflos gegenüberstehen, gerade die zahlreiche Bekanntmachung von mit Erfolg durch operativen
Eingriff geheilten Prosopalgien, dem praktischen Arzte zu einer Handhabe werde, an der derselbe
Vertrauen zur Operationsmethode der Neurectomie fassen und erforderlichen Falles getrost dem
sonst so trostlosen Uebel entgegen treten kann.
Wer einmal die erwähnte Krankheit in der schrecklichen Höhe ihrer Anfalle gesehen hat;
wer bemerkte, wie sie die Patienten nicht allein zu den höchsten körperlichen Leiden, sondern auch
zu der tiefsten psychischen Depression, von der es zum Lebensüberdruss wahrlich kein grosser
Schritt mehr ist, verdammte; ich glaube derselbe wird meiner Ansicht beipflichten, dass es in der
That eine grosse Wohltbat ist, diese Kranken auch nur für Jahre, vielleicht nur für Monate dem
Leben und ihrem Berufe durch einen fast ungefährlichen chirurgischen Eingriff wiedergegeben zu
haben. Wenn ich es desshalb vermöchte, durch die nachfolgenden Blätter dem praktischen Arzte
die Scheu vor operativem Eingreifen auch auf diesem Felde zu benehmen; wenn ich im Stande
wäre ihm klar zu machen, dass in der That in vielen Fällen von Prosopalgie, falls wir nicht
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