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Sicherheit fest, so hätte man an der passendsten Stelle einen Schnitt durch die Weich-
theile bis auf den Knochen zu machen, mit dem Raspatorium das Periost zurückzuscsieben
und, wenn der Knochen sich intact zeigt, zur Bestätigung der Diagnose mit einem
fetnen Drillbohrer ehe Höhle aufzusuchen. Ist dieselbe glücklich gefunden, so bleibt
nur noch die Aufgabe, wie bei der gewöhnlichen Necrotomie, für die Entfernung des
Inhalts zu sorgen. Als Werkzeug für Eröffnung des sclerosirten, festen Knochens
gebraucht man am zweckmässigsten Meissei und Hammer. Herr Geheimrath Esmarch
bedient sich schon lange der gewöhnlichen Tischlermeissei, die an Dauerhaftigkeit
und Zweckmässigkeit die von den Instrumentenmachern gelieferten weit übertreffen.
Der Trepan und alle sägenden Instrumente, wie das Heine'sche Osteotom etc.,
sind als weniger zweckmässig und vielleicht gar durch Erhitzung des Knochens
schädlich, zu verwerfen. Das Einfachste ist. wie überall, auch hier das Beste. —
Weit verbreitet ist noch die Methode, den Knochen nur so weit zu eröffnen, dass für
die Extraction des Sequesters oder für den Abfluss des Eiters eben Raum geschafft
wird. So rationell diese Ersparung lebenden Knochengewebes auch ist, so unzweck
mässig ist sie für den Verlauf der Heilung. In den so gebildeten Seitentaschen
sammelt sich der Eiter, selbst bei Anwendung von Ableitungsvorrichtungen, fort und
tort wieder an und verzögert die Heilung auf lange Zeit. Herr Geheimrath Esmarch
befolgt schon seit Jahren die Methode, den Knochen in Muldenform aufzumeisseln, so
dass die freigelegte Höhle den Boden der Oeffnung bildet und hat von derselben
die besten Erfolge gesehen.
Die Erfindungen und Fortschritte der Neuzeit, welche den chirurgischen Ope
rationen den ihnen früher in den Augen des Publikums anhaftenden Makel des ge
fühllosen Barbarismus vollständig genommen haben, haben auch die Necrotomie, die
schrecklichste Operation der vornarcotischen Zeit, zu einem milden Eingriffe gemacht.
Welche Veränderung gegen früher! Damals ohne Narcose, mit starkem Blutverlust,
unter schrecklichen Oualen des Patienten; jetzt unter allen Vorsichtsmassregeln, Chloro
form, künstlicher Blutleere und Bacterien scheuchendem Spray! Wahrlich, Arzt so
wohl wie Patient können mit diesen Errungenschaften der Wissenschaft zufrieden sein !
Zum Schlüsse sei es mir gestattet, Herrn Geheimrath Esmarch, meinem ver
ehrten Lehrer, für die freundliche Anleitung bei Abfassung dieser kleinen Arbeit
meinen besten Dank auszusprechen.

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