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dass unter passender Behandlung diese stürmischen Erscheinungen sich bald gemildert,
alle Symtome der acuten Entzündung nachgelassen haben und das ganze Leiden all-
mählig wieder in den chronischen Zustand übergegangen ist. Oft ist dann die Krank
heit jahrelang latent geblieben oder hat ihre Anwesenheit nur durch geringe Functions-
störuneen oder ab und zu durch lancinirende Schmerzen bekundet. —
Eine besondere Vorliebe zeigt der Knochenabscess für die untern Extremitäten
und zwar hier wieder besonders für den Unterschenkel. Es ist diese Eigentümlich -
keit bereits von mehreren Autoren hervorgehoben worden. In allen unsern 5 Fällen
hatte der Abscess seinen Sitz in der Tibia, während die beiden oben angeführten
Beispiele von Necrose auf den Femur kommen. Warum gerade die untere Extremität
die bevorzugte ist, ist nicht recht ersichtlich. Man müsste denn schon auf die Volk-
mann’sche Angabe der traumatischen Entstehungsursache dieser Knochenaffection recur-
riren und annehmen, dass die untern Extremitäten als Träger der Körperlast mehr
Erschütterungen und traumatischen Einflüssen ausgesetzt seien als andere Körpertheile, —
Die Diagnose der nicht aufgebrochenen Necrose und des vollständig abgekap-
selten Knochenabcesses ist jedenfalls sehr schwierig, ja oftmals geradezu unmöglich-
Beide Formen klinisch bestimmt unterscheiden zu wollen ist auf jeden Fall ein ver
gebliches Bemühen. Auch die Anamnese gibt hier wenig Anhaltspunkte, zumal da
die Volkmann’sche Angabe, dass der Abscess sich gewöhnlich auf das Alter beschränke,
mindestens viele Ausnahmen erleidet. — Für die Therapie bleibt diese Differential-
diagnose auch vollständig gleichgültig. Practisch wichtig ist jedoch die Unterscheidung
von andern Knochenleiden. Fehlt die Anschwellung der Weichtheile und die Ver
dickung des Knochens, oder ist letztere wegen zu versteckter Lage nicht deutlich zu
erkennen, so wäre immerhin eine Veswechselung mit Neuralgie möglich, auf welche
allenfalls die acuten Schmerzanfälle mit längeren ganz freien Intervallen hindeuten
könnten. Der Umstand, dass sich beide Leiden compliciren können, trübt die Diagnose
noch mehr. — Nicht minder schwierig ist die Unterscheidung von einer Osteosclerose
mit gleichzeitiger Periostitis, die eine partielle Verdickung des Knochens bewirkt hat.
Die primäre Osteosclerore ist allerdings selten, wenn sie vorkommt verläuft sie, ebenso
wie die chronische ossificirende Periositis mit so geringen Symtomen, höchstens mit
dem Gefühle eines dumpfen Drucks und Schwere in dem Gliede, dass wohl in den
meisten Pällen diese Klippe sich vermeiden lässt. Dass die Schwierigkeiten jedoch
gross genug werden können, beweist der Umstand, dass sich mehrfach erfahrene
Chirurgen verleiten Hessen den sclerosirten Knochen anzubohren in der Meinung einen
Abscess vor sich zu haben. Gleiche Schwierigkeiten können centrale Knochenge
schwülste, mit denen Auftreibung des Knochens einhergeht, bieten. Dieselben ver
laufen allerdings oft ganz schmerzlos, zuweilen rufen sie aber auch stürmischere Er-

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