Beitrag zur Lehre von der Necrose und dem Knochenabscess
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ohne Aufbruch.
Die Entzündung des Knochensystems hat vor den Entzündungen an andern
Organen des Körpers das Eigentümliche, dass sie, wenigstens in den meisten Fällen
mit einem partiellen Wachsthum einhergeht, das sich von dem physiologischen gar-
nicht oder nur in untergeordneten Punkten unterscheidet. Die alte Definition der
Entzündung »als partielle höhere Lebensthätigkeit« findet hier ihre Hauptstütze. Führt
auch in andern Organen die Entzündung zu lebhafterer Wucherung einzelner Gewebe,
so tritt dieser progressive Charakter doch überall in den Hintergrund gegen die re
gressive Metamorphose, welche das ganze Organ erleidet und dient meist nur, wie
z. B. die entzündliche Wucherung des Bindegewebes, um die Lücken auszufüllen,
welche andere dem Zerfall und der Resorption anheimgefallene Gewebe hinterlassen
haben. Anders bei der Entzündung des Knochensystems! Hier tritt uns wirkliches
Wachsthum des ganzen Organs entgegen, aus denselben Quellen stammend und mit
denselben Mitteln wie in der physiologischen Entwicklungsperiode zu Stande gekommen;
nur dass der Verlauf ein rascherer und stürmischerer ist und demgemäss das fcmd-
product nicht die symmetrischen, abgerundeten Formen zeigt, in welche die Natur
ihre normalen Bildungen zu hüllen pflegt.
Doch fehlt auch bei der Knochenentzündung die regressive Metamorphose
keineswegs. Es können hier alle Formen der Rückbildung, colloide, lettige, käsige
Degeneration etc. Vorkommen, die hauptsächlichsten und für die Praxis wichtigsten
Producte der Entzündung sind jedoch die Eiterung und die Necrose. — Beide Pro-
cesse, progressiver und regressiver, bekämpfen sich bei den Entzündungen des Knochen-
systems mit einör Regelmässigkeit, wie wir sie bei keinem andern Organ finden. Bei
acuter Periostitis sehen wir wie durch Exsudat- oder Eitermassen, die zwischen
Knochen und Periost abgesetzt werden, die ernährenden Gefässe lür den äussern
I heil des Knochens comprimirt oder zerrissen werden und ein circumscriptes Gebiet
des Knochengewebes aus Mangel an Nahrung abstirbt. Wir haben eine partielle

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