sehr stürmisch und präcipitirt verlaufende. Sie entstehen nämlich nur äusserst selten
durch Druckbrand, weil eben der supraperineale Theil der Mastdarmscheidenwand
bei schwierigen Geburten unzweifelhaft dem Druck des Kindskopfes nicht in gleicher
Weise ausgesetzt ist als die Blasenscheidenwand, welche gegen Symphyse und Arcus
pubis angedrängt wird, sondern am häufigsten dann, wenn bei sehr ausgedehnten
complicirten Dammrissen, die bis hinauf in s Septum recto-vaginale gehen, nur der
dickere Damm wieder zusammenheilt, während die Scheidenmastdarmwand sich nicht
vereinigt. Ausser diesen complicirten Dammrissen dürften Mastdarmscheidenfisteln
auch während der Geburt gebrauchten Instrumenten ihre Entstehung verdanken. Auch
Klystierspritzen in der Hand des Unerfahrenen und Ungestümen haben schon mehr
als einmal die Mastdarmscheidenwand durchstossen. Selbst im Puerperium fehlt die
Gelegenheit zur Fistelbildung nicht, und kann hier durch tiefgreifende Diphtheritis der
Scheidenwände zu Stande kommen. Sehr selten dürften andere Traumen etwa ein
Fall auf einen spitzen Gegenstand, die Fistelbildung veranlassen; oder ein Abscess
in der hinteren Scheidenwand, der nach beiden Richtungen hin perforirt, ferner Eiter
heerde im Douglas'schen Raum, welche nach Scheide und Rectum perforiren, z. B.
bei vereitertem Haematom, bei Extrauterinschwangerschaften etc. So können auch
natürlich Neubildungen die Veranlassung geben zu einer Communication zwischen
Mastdarm und Scheide und sind hier in erster Reihe die Carcinome zu nennen.
Endlich kann auch durch fremde Körper, die aus irgend welchem Grunde in
die Scheide gebracht. Fistelbildung zu Stande kommen, und sind hier in practischer
Beziehung am wichtigsten die Pessarien, die durch geringen Druck Verdickung des
Epithels, bei stärkerem Ulcerationen hervorbringen können. Wenn sie lange Zeit con-
tinuirlich gegen eine Stelle drücken, so können sie die Scheidenschleimhaut zur Usur
bringen und in das anliegende Zellgewebe tiefe Furchen einschneiden, ja es können
durch die Oeffnung des Pessars hindurchgewachsene Granulationen eine Seite des
Pessars vollkommen in Weichtheile einbetten, endlich können sie, wie in unseren
beiden F'ällen, zur Perforation in Blase und Mastdarm führen.“ 1 ) Hier glaube ich einen
sehr interessanten von Dr. O. F. Eüders in Eckernförde beobachteten Fall von Ein
gewachsensein eines Pessariums im Douglas sehen Raum und Entfernung derselben
durch das Rectum, nicht unerwähnt lassen zu dürfen (conf. Deutsche Klinik, heraus
gegeben v. Alexander Goeschen 1858, Nr. X, p. 97.)
Symptom e.
Characteristisch für Mastdarmscheidenfisteln ist der Abgang der Darmcontenta,
da je nach der Grösse der Fistel entweder sämmtliche Fäces oder nur flüssige Koth-
!) ZlEMSEN, Handbuch der Spec. Pathol, u. Therapie, B X, p. 469.

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