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23- Juni 1874. Seit dem 15. Juni besteht fortwährend hohes Fieber (Tempe
ratur meistens 40 0 C.) mit Kothverhaltung resp. Darmverschluss, unter Symptomen
starker Peritonitis. Seit gestern ist Ileus aufgetreten. Es wird ein Auspumpen des
Darmrohres mit der Klysopompe vorgenommen, wornach sich für mehrere Stunden
die Symptome bessern. Dabei gelingt es nicht, das eingeschobene Rohr weiter in
den Darm hinaufzuführen, als bis zur Höhe der Umbiegungsstelle des Colon descendens
und Colon transversum. Abends 8 Uhr erfolgte der Tod.
Die am 25. Juni gemachte Section ergab folgenden Befund:
Eitrige Peritonitis. Enorme Induration des Beckenzellgewebes. Geheilte
Recto- et vesico-vaginalfisteln. Dermoidcyste des Ovarium. Starke Ausdehnung
des Dünndarms mit Hyperthrophie der Wandungen. Chronischer Hydrocephalus.
Lungenemphysem und Oedem. lrübe Schwellung der Leber. Hochgradige eitrige
Pyelitis der linken und jauchige der rechten Niere. Heflage und starke Atrophie
der linken Niere. Magennarbe. Gangränöses Geschwür am Damm.
Epicrise. Die Section des zweiten Falles beweist die vollständig erfolgte
Heilung sowohl der Blasenscheiden- als der Mastdarmscheidenfistel durch die Opera
tionen. Auch im ersten Falle war völlige Heilung der Mastdarmscheidenfistel erfolgt,
und da die schliesslich noch restirende sehr kleine Blasenscheidenfistel keinerlei
Symptome mehr machte, so ist auch in diesem Falle der Erfolg der Qperation fast
einer vollständigen Heilung gleichzustellen. Auf welche Weise der unwillkürliche
Abgang von Urin in diesem Falle verhütet, ob wieder durch Klappenmechanismus,
wie schon einmal bei der betreffenden Patientin, muss dahingestellt bleiben.
Was die Aethologie des Blasenscheiden- und der Mastdarmscheidenfisteln be
trifft, so geht aus den, den verschiedenen Autoren zur Beobachtung gekommenen
Fällen zur Genüge hervor, dass die bei weitem überwiegende Anzahl in böige von
Geburten entsteht, und gilt das namentlich von den Blasenscheidenfisteln, wo bei sehr
schwierigen und langsam verlaufenden Geburten, vornehmlich bei früh abgeflossenem
Fruchtwasser, durch Druckbrand der Blasenscheidenwand, die, zwischen Kindskopf und
Symphyse eingeklemmt wird, die widernatürliche Communication hergestellt wird. Da
dieselben jedoch ungemein viel häufiger Vorkommen und in Folge dessen auch öfterer,
sowohl was Entstehung als Behandlung betrifft, Gegenstand näherer Erörterungen ge
worden sind, so werde ich hauptsächlich nur die viel seltener vorkommende Art, die
Mastdermscheidenflsteln, genauer hervorheben.
Was die Aetiologie der Mastdarmscheidenfisteln betrifft, so werden dieselben
auch zwar in den meisten Fällen Geburten ihre Entstehung verdanken, aber sie unter
scheiden sich schon dadurch wesentlich von den Blasenscheidenfisteln, dass nicht sehr
langsam verlaufende, schwierige Geburten das Hauptmaterial liefern, sondern grade

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