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Status bei der Aufnahme am 6. Mai 1873 in die hiesige
chirurgische Klinik:
Patientin zeigt sehr schwache Verstandeskräfte und ist nicht imStande irgend
welche genauere Auskunft über ihre Vergangenheit zu geben. .
Bei der Untersuchung mit dem Speculum sieht man an der vorderen Scheide
wand dicht unterhalb der portio vaginalis eine pflaumengrosse rothe Geschwulst, die
von der durch die Fistelöffnung vorgefallenen Blasenwand gebildet wird. Nach Re
position derselben sieht man in der Scheidenwand einen dreieckigen Defect, dessen
Basis nach unten gerichtet und etwa 4 Centimeter lang ist. Die Ränder der Fisrel
sind ziemlich scharf und hart. Ein Katheter lässt sich von der Blase aus in die Scheide
einführen. Gegenüber dieser Blasenscheidenfistel an der hinteren Scheidenwand eben
unterhalb der portio vaginalis befindet sich eine ungefähr eben so grosse Oeffnung,
durch welche man vom Rectum aus einen Finger in die Scheide einführen kann. Der
Urin läuft fortwährend durch die Scheide ab, vermischt mit kleinen Kothpartikelchen,
Vom linken Rande dieser hinteren Fistel geht eine scharfe Falte nach vorn zur portio
vaginalis so das zwischen Fistel und Uterus eine Tasche entsteht. Die Fistelöffnung

im Rectum ist 7 1 / 2 Centimeter vom After entfernt und durch Narbencontraction nach
rechts und hinten gezogen. Der Zeigefinger kann bis zur 2. Phalange eindringen.
Die Blasenscheidenfistel ist ebenfalls 7V2 Centimeter vom Damm entfernt. Zwei
Fingerspitzen lassen sich nebeneinander 1 Centimeter tief einführen; sie ist unbeweg
lich mit der Umgebung verwachsen und lässt sich nicht hervorziehen. Die \ aginal-
portion befindet sich nach links von der Mittellinie zwischen den beiden mehr nach
rechts liegenden Fisteln. Dicht vor der portio vaginalis ist die Scheide durch eine
circuläre Falte stark verengt. Die beiden Fisteln liegen in dem gespannten Rande
dieser Falte.
Operation der Fistula vesico-vaginalis in Steinsschnittlage.
Morphium-Chloroformnarkose.
30. Mai. Um der Blasenscheidenfistel näher zu kommen, wird der sehr
schmale Damm und der Mastdarm bis in die Mastdarm-Scheidenfistel hinein gespalten,
wobei eine starke Blutung entsteht, die durch Schwämme und kaltes Wasser gestillt
wird. Darauf wird die jetzt bequem zugängliche Blasenscheidenfistel mit Haken her
ausgezogen, in gehöriger Ausdehnung Umschnitten und dann die Wundränder durch
3 Seiden- und 4 Silberdräthe vereinigt. (Bei dem Versuch, die Blase mit Wasser zu
füllen, halten die Näthe völlig dicht).
Die grosse Cloake, die durch Spaltung des Dammes entstanden, wird mit
Wattecharpie ausgefüllt und soll später operirt werden.
31. Mai. Patientin hat nicht viele Schmerzen gehabt, liegt aber nass, was

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