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Zieht man das Resultat aus beiden Tabellen zusammen, so ergiebt sich, dass
die Eltern phthisisch gewesen waren in 24, 5 % sämmtlicher 204 Fälle-und in 51, 5 °/ 0
jener 97 fälle, bei welchen über die Gesundheitsverhältnisse der Familie eine Angabe
hatte ermittelt werden können. Die erste Ziffer kann natürlich als Maassstab für die
Wirklichkeit nicht genommen werden, da hier ja als in der Mehrzahl alle diejenigen
fälle mit inbegriffen sind, bei welchen keine Anamnese vorhanden gewesen war,
während dagegen, wenn wir die zweite, sich am meisten objectiv an die Thatsachen
haltende ^Zahl, annehmen, nach welcher es sich herausstellt, dass in die ffälfte aller
Fälle scrophulöser Erkrankungen Phthisis der Eltern vorhanden gewesen war, wir
daraus wohl nicht mit Unrecht den Schluss ziehen dürfen, dass hier die Anerbung
der Scrophulose der Kinder auf Phthisis der Eltern zurückzuführen ist.
In den eben mitgetheilten Tabellen hat nun eine ganz besondere Krankheit
keine Beachtung gefunden, welche trotzdem an einer frühem Stelle bei Aufzählung
der verschiedenen scrophulösen Erkrankungen ebenfalls genannt worden ist, nämlich
der Lupus. Und zwar ist dies aus dem Grunde geschehen, weil es vielleicht nicht
so ohne weiteres gerechtfertigt erscheinen möchte, den Lupus unter dem Namen
einer scrophulösen Erkrankung aufzuführen.
Denn wenn es auch früher eine ziemlich allgemein verbreitete Ansicht gewesen
ist, dass der Lupus auf Grund der Scrophulose entstände und auch in neuerer Zeit
Bazin dasselbe ausgesprochen und den Lupus als maligne Scrophulide 20 ) bezeichnet
hat, so hat doch ebensooft diese Auffassung ihre Gegner gefunden, indem man einer
seits den Lupus mit der hereditären Syphiiis zusammengebracht, andererseits sonstige
Gründe o-enen den Zusammenhang mit der Scrophulose angeführt hat. So bezeichnet
namentlich Virchow die Aufstellung eines scrophulösen Lupus als eine Willkührlich-
keit 21 ), weil gerade die am meisten charakteristischen Zeichen der Scrophulose, die
Erkrankungen der Lymphdrüsen in bestimmter Form regelmässig fehlten und anderer
seits in den am meisten ausgesprochenen Fällen der Scrophulose sich kein Lupus
finde. Dagegen giebt Bardeleben zu, dass man den Lupus am häufigsten bei scro
phulösen Kindern zur Zeit der Pubertätsjahre finde 22 ), betont aber daneben, dass
auch eben so oft der Lupus ohne scrophulose Erscheinungen vorkomme. Was den
Zusammenhang des Lupus mit der Syphilis anlangt, so wird ein solcher ja von den
Meisten p-eläuunet obMeich in Betreff der hereditären Syphilis die Sache stellenweise
noch zweifelhaft ist, wie dann ja auch in der That manche Formen der letztem eine
auffallende Aehnlichkeit mit dem Lupus besitzen.
20 ) Bazin, Revue tried. 1857, Juin. pag. 643, 719.
21) Die krankhaften Geschwülste, Berlin 1864. B. II. S. 493.
22 ) Bardeleben, Lehrbuch der Chirurgie, Band II. 6. Auflage, Berlin 1871. S. 38.

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