Endlich sind es namentlich die Knochen und Gelenke, welche in nicht geringer
Häufigkeit die Gegenstände chronisch destructiver Processe werden. Dahin gehören
vor allen Dingen die chronischen Gelenksentzündungen, sowohl die eitrigen, als auch
namentlich die fungösen Formen, besonders des Knie-, Hüft- und Ellenbogengelenks,
aber auch an den Fuss und Handgelenken nicht wenig zahlreich. Und was die
Knochen anbetrifft, so sind hier zu nennen die zu Verkrümmungen der Wirbelsäule
führende käsige eitrige Ostitis und Caries der Wirbelkörper und die chronischen
Ostiten und cariös-fungösen Processe der Gelenkepiphysen, der Hand und Fusswurzel-
knochen, hier fast immer mit gleichzeitigen Gelenkaffectionen combinirt, seltener der
grösseren Röhrenknochen und des Unterkiefers, sowie endlich der Phalangen, deren
Caries von Alters her unter dem Namen der Spina ventosa oder Paedarthrocace
bekannt ist.
Wie aber steht es nun mit dem Verhältniss der Scrophulose zu der Tuber-
culose ? Sind es zwei scharf von einander zu trennende Begriffe, oder findet irgend
ein Zusammenhang zwischen beiden statt?
Die Beobachtung freilich war schon lange gemacht, dass sehr oft an Scrophu
lose Leidende später unter den Erscheinungen der Tuberculose zu Grunde gehen,
aber erst die Forschungen der letzten Decennien haben bekanntlich die Lösung der
Frage des Zusmmenhangs zwischen Tuberculose und Scrophulose, welche noch heute
nicht endgiltig beantwortet werden kann, in ganz bedeutendem Maasse gefördert.
Zunächst brach sich die hauptsächlich zuerst von Buhl aufgestellte Ansicht,
der sich auch namentlich Niemeyer, Billroth und Waldenburg anschlossen, immer
mehr Bahn, dass die Miliartuberkel in Folge von Resorption gewisser Substanzen aus
käsigen Heerden entständen, oder nach Buhl’s eigener schon früher und namentlich
in seinem neuern Werke 6 ) durch viele Thatsachen begründeter Auffassung, dass die
Miliartuberculose eine specifische Resorptions- und Infectionskrankheit sei und durch
die Aufnahme von Bestandtheilen aus einem käsigen Heerde in die Blut- und Lymph-
gefässe entstände.
Dann fand diese Anschauung ganz besonders ihre Bestätigung durch die zahl
reichen nach dem Vorgänge von Villemin 7 ) namentlich von Lebert und Wyss 8 ),
G ) Lungenentzündung, Tuberculose und Schwindsucht. München 1873. S. 11-4.
7 ) Gaz, hehdom. 1866 Nr. 42 — 49 und Etudes sur la tuberculose, Paris 1868.
8 ) Virchow’s Archiv. B. 40 S. 142 und 572.

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