dicken Halse der Schweine die Veranlassung zur Bezeichnung »scrophulös« gegeben *)
und schwerlich würde sich wohl Jemand dazu verstehen, einem Individuum den sog.
habitus scrophulosus zuzuerkennen, an dem nicht neben sonstigen Merkmalen zugleich
auch die Submaxillargegend durch die höckerigen Drüsentumoren, oder die eiternden
unterminirten Fistelgänge oder jene tief eingezogenen Narben gekennzeichnet wäre.
Diese Drüsenschwellungen, um hier kurz Bekanntes zu wiederholen, entstehen
zum grössten Theile durch eine Vermehrung der lymphatischen Elemente, in gerin
gerem Maasse nehmen auch die bindegewebigen Theile, die Kapsel und das Reticu
lum durch hyperplastische Wucherung daran Antheil. Insoweit unterscheiden sich
diese scrophulösen Lymphome durch Nichts von anderen z. B. leukämischen Drüsen
tumoren. Allein sowie die Ursachen ihrer Entstehung auf verschiedenen Gebieten
zu suchen sind, so nimmt auch der weitere Verlauf bei beiden einen durchaus ver
schiedenen Ausgang. Bei der Leukaemie behält die geschwollene Drüse ihre Structur
und ihre Function bei, die durch sie bedingten Veränderungen zeigen sich an einem
ganz anderen Orte, im Blute, in höchst seltenen Fällen kommt es zur Vereiterung.
Die scrophulöse Drüsengeschwulst hingegen macht sich durch ganz charakteristische
weitere Veränderungen bemerkbar. Die neugebildeten Elemente gerathen sehr bald
in Zerfall durch fettige Degeneration, und indem die vorhandene Flüssigkeit durch
Resorption von den umliegenden Gefässen aus verschwindet, entsteht die trockne
gelbe käsige Substanz, die scrophulöse oder tuberkulöse Materie der älteren Autoren.
In einer geringeren Anzahl von Fällen kommt es auch wohl zur Bildung von wirk
lichem Eiter, aus welchem auf gleiche Weise durch Aufsaugung der Intercellular
flüssigkeit käsige Materie hervorgehen kann. Weiterhin kann nun ein solcher käsiger
Heercl durch Bindegewebsneubildung in der Umgebung abgekapselt werden und durch
vollständige Wasserabgabe bis zur Verkalkung einschrumpfen, oder es wird ihm
wieder Flüssigkeit zugeführt, die käsige Masse erweicht, in der Umgebung wird auch
wohl ein entzündlicher Process mit Eiterbildung angeregt, die allmählich unterminirte
Haut röthet sich und es kommt zum Aufbruch und Ausfluss einer dünnen trüben, mit
käsigen Pflocken gemischten, zum Theil eiterartigen Flüssigkeit. Kommt der Process
nach oft jahrelanger Dauer zum Stillstände, so schliesst sich die Pistel und hinterlässt
eine tief eingezogene strahlige Narbe.
Es sind also, um es nochmals zu wiederholen, locale einfache Entzündungen,
4) Näheres über die Ethymologie und Deutung des Wortes Scrophulöse in VIRCHOW’S
Buch über die krankhaften Geschwülste. Berlin 1864. Band II., S. 558.

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