hervorhebt, dass die Scrophulose mit localen Entzündungen beginnt, welche erst in
zweiter Linie zur chronischen Schwellung resp. Verkäsung der Lymphdrüsen führen.
In ähnlicher Weise drückt sich Waldenburg 2 ) aus, indem auch er die Scro
phulose als eine Constitutionsanomalie betrachtet, bei welcher die in abnormer Weise
zur Erkrankung neigenden Lymphdrüsen eine locale Disposition zur Verkäsung zeigen.
Nur wagt er es nicht zu entscheiden, ob man auch in Betreff der scrophulösen Er
krankungen anderer Organe, wie der äusseren Haut, der Schleimhäute, Knochen und
Gelenke einen krankhaften Bau annehmen dürfe, durch welchen ihre grosse Vulnera-
o
bilität bedingt werde.
Ganz im Anschluss an die ViRCHOw’sche Theorie sagt Billroth 3 ):
„Wir nehmen in solchen Fällen eine scrophulose Diathese an, in welchen auf
eine geringe und vorübergehende Reizung einer Körperstelle sich ein chronisch ent
zündlicher Process entwickelt, welcher nicht nur die Reizung überdauert, sondern sich
auch selbstständig verbreitet und welcher vorwiegend häufig den Ausgang in Ver
eiterung oder Verkäsung nimmt, seltener die Form des rein hyperplastischen Processes
beibehält.
Diese Erklärung begreift, wie man sieht, in ganz bestimmten und doch wieder
umfassend genug gehaltenen Ausdrücken das ganze Gebiet der Scrophulose in sich
und lässt sich mit Leichtigkeit auf alle diejenigen Erkrankungen der verschiedensten
Organe anwenden, welche man als scrophulös zu bezeichnen pflegt.
Vor allen Dingen ist also hiernach das hauptsächlichste Merkmal der Scrophu
lose die grosse Vulnerabilität einzelner Organe und Gewebssysteme, welche diese
auf geringfügige Ursachen und Reizungen, die bei einem gesunden Individuum gar
keine oder nur unbedeutende vorübergehende Störungen des Organismus veranlassen,
mit entzündlichen und hyperplastischen Processen antworten lässt, welche sich dann
in zweiter Linie durch ihre Dauerhaftigkeit, ihre weitere Ausbreitung und in den
meisten Fällen durch eine grosse Neigung zu käsigem Zerfall ihrer Producte auszeichnen.
Letzteres betrifft nun hauptsächlich die Lymphdrüsen, von welchen die am
Halse zu beiden Seiten des Unterkiefers befindlichen bekanntlich vorwiegend denjenigen
Erkrankungsformen unterworfen sind, welche man stets als ein pathognomonisches
Zeichen der Scrophulose angesehen hat. Hat doch die Verunstaltung eines solchen
mit besagten Erkrankungen afficirten Halses wegen der Aehnlichkeit mit dem kurzen
2) Waldenburg: Die Tuberculose, die Lungenschwindsucht und Scrophulose. Berlin 1869,
S. 311.
3) Billroth’s und Pitha’s Handbuch der Chirurgie. I. Band, 2. Abth., 1. Heft, 3. Lie
ferung. Erlangen 1870. S. 311.

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