Ueber die Häufigkeit scrophulöser Erkrankungen bei phthisischer
Familienanlage.
Bekanntlich herrschte im vorigen .und noch einem 1 heile des jetzigen Jahr
hunderts die Ansicht, dass die Ursache der Scrophulose in einer eigenthümlichen
Dyskrasie oder Schärfe der Säfte des menschlichen Körpers, der sogenannten
»Scrophelschärfe« bestände, die man im Blute oder im Lymphsysteme suchte und
welche auch in der; käsigen Massen der vereiterten Lymphdrüsen selbst enthalten
sein sollte. Die Hauptvertreter dieser Richtung waren Cullen in England, Kortum
und Hufeland in Deutschland. Was man heutzutage als käsig bezeichnet, nannten
sie scrophulös. Die Lungentuberkeln waren ebensogut scrophulose Drüsen wie die
chronisch geschwollenen Cervical- und Submaxillardrüsen, und wie diese der Ausfluss
derselben scrophulösen Dyskrasie, die Lungenschwindsucht war eine sei ophulöse
Krankheit. Selbst Baillie, der eine genaue Beschreibung der Miliartuberkel nicht nur
der Lungen, sondern auch anderer Organe giebt, und die durch diese entstandenen
käsigen Knoten von den übrigen käsigen Knoten in der Lunge wie in den Drüsen
trennt, haftet an diese Ansicht und bezeichnet die in den gelben Tuberkeln enthaltene
Masse als scrophulose Materie, obgleich er die Identität des 1 uberkels mit einer
scrophulösen Drüse läugnet.
In das entgegengesetzte Extrem verfielen Bayle und Laennec. Dem Erstem,
dem eigentlichen Begründer der Lehre von der Tuberculose, galt für tuberculös, was
man früher scrophulös genannt hatte. Sprach man vordem von scrophulöser Materie,
so bezeichnet Bayle die käsig degenerirten Massen geradezu als tuberkulöse Materie.
Jede käsige Ablagerung in der Lunge, jede verkäste Lymphdrüse wurde zum I u-
berkel. Gewonnen war hiemit gar nichts, denn die Begriffe waren dieselben ge
blieben und nur die Namen vertauscht. An die Stelle der scrophulösen Materie wai
die tuberkulöse getreten.

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