Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1875 (Band XXII.)

kardien, wo zwischen Pleura und Perikardium keine krankhaften Adhäsionen vor 
handen, sei die Lage des Herzens jederzeit eine tiefe, und der scharfe Rand der 
linken Lunge erreiche den linken Sternalrand; die Paracentese sei deshalb ohne 
Verletzung der Pleurasäcke und Lunge nicht auszuführen. 
Luschkas vielfache Beobachtungen dagegen haben dargethan, dass die beiden 
laminae mediastini wohl in der Regel in nahe Berührung kommen, sich aber leicht 
isoliren lassen. Ziemlich häufig soll es sogar Vorkommen, dass beide laminae gar- 
nicht in Berührung kommen, so dass der Herzbeutel an seiner vordem Wand nicht 
von ihnen bedeckt wird, sondern durch fetthaltiges Bindegewebe an die 1 ho rax 
wand angeschmiegt gehalten wird. Eine vollständige Verklebung beider Laminae 
kommt, so verschiedenartig die Grösse ihrer Divergenz sein mag, nach Luschka 
niemals vor; somit wird immer eine Stelle der vorderen Herzbeutelwand existiren, 
wo die Punktion des Herzbeutels ohne Verletzung der Pleura ausführbar ist. Luschka 
zeigt auf der ersten Tafel seines Werkes am fünften linken Intercostalraum zu beiden 
Seiten der Arteria und Vena mammaria interna durch zwei Sterne diese Stellen an, 
wo die Operation stets gemacht werden könne, ohne eine Verletzung der Pleura 
befürchten zu müssen. Letzterer Ansicht schliessen sich die meisten unserer Ana 
tomen an, und dürfte, da so zahlreiche Schwankungen in der Breite des Abstandes 
beider laminae mediastini vorhanden sind, um mit Hyrtl zu sprechen, Hamernicks 
Unrecht wohl darin bestehen, einen Ausnahmefall als die Regel prokla- 
mirt zu haben. 
Die Beobachtung von Professor Bartels, dass bei längerer Rückenlage, wie 
sie bei fast allen fieberhaften Krankheiten vorhanden ist, das Herz fast entblösst 
der vordem Brustwand anliegt, — welche Beobachtung ich bei Obduktionen durch 
vorherige Fixation der Pleurablätter mittelst langer Nadeln, die vor Eröffnung des 
Thorax durch die Intercostalräume durchgestossen waren, stets bestätigt gefunden 
habe — dürfte gleichfalls gegen die Behauptungen Hamernicks sprechen. Bei 
grossen perikarditischen Pixsudaten, wo die Paracentese eben in Frage kommt, 
dürfte zudem wohl meistens durch Exsudation und accidentelle Entzündung eine 
Verschmelzung der laminae mediastini mit der Brustwand zu Stande gekommen sein. 
Kommt es nach Beobachtungen von Professor Bartels doch garnicht so selten vor, 
dass der Herzbeutel mit der vordem Brustwand in grosser Ausdehnung verwächst. 
Die Paracentese kann in einem solchen P alle ohne Schwierigkeit linkerseits, ja rechter- 
seits vom Sternum in den Intercostalräumen je nach Verschiedenheit der Anlöthung 
des Herzbeutels an die vordere Brustwand gemacht werden. Deshalb dürfte es 
rathsam, ja nothwendig erscheinen, im einzelnen Fall nach dem objektiven Befunde 
zu individualisiren, an welcher Stelle die Operation gemacht werden soll, und in 
ähnlicherWeise vorzugehen, wie es in oben erwähnten Falle aus der Praxis meines 
Vaters geschehen ist. Wie bei solchem Befund der Troikar eine verwachsene und 
verödete Pleura gefahrlos durchbohrt, so sehen wir andrerseits in den früher er 
wähnten Operationsfall von Jowett, dass selbst eine Verletzung der gesunden Pleura 
und folgende Entleerung des perikarditischen Ergusses in die gesunde Pleurahöhle,
	        

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