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eingeführt und bemerkt, dass dicke Fetzen falscher Membranen die Wunde ver
stopften; mit einer hakenförmig gebogenen Knopfsonde wurden dann die falschen
Membranen herausgeholt, worauf sich von neuem ein Glas voll erwähnter Flüssig
keit entleerte. Bei dieser Gelegenheit wurde wahrgenommen, dass der Herzbeutel
soweit zusammen gedrängt war, dass die bei der Operation unter dem Sternum
angelegte Oeffnung des Herzbeutels bereits links vom Sternum stand. Der Per
kussionston an der rechten Seite des Brustbeins, sowie unter diesem, war jetzt
hell, und überall rechts von demselben die Respirationsgeräusche hörbar.
Das ganze Aussehen des Kranken hatte sich merklich gebessert, seine blauen
Lippen und Augenränder, sein matter Blick, alles war verschwunden.
Die Hoffnung und Liebe zum Leben war zurück gekehrt. Sein Freude
strahlendes Auge, seine wieder erwachte Stimme, sein Humor, Alles verrieth neues
Leben.
Arzneimittel wurden ausgesetzt und nahrhafte Diät, Hühnersuppen, leichte
Braten und Rheinweine gleich verordnet, alle 3—4 Stunden bei Page, Abends und
Nachts wurde die Diät auf Milch mit Weissbrod beschränkt.
Die Flüssigkeit machte, nachdem am 23. durch stärkeres Beugen des'Ihorax
nach vornüber nochmals 2 Glas entleert waren, schon einer fast reinen eitrigen
Secretion Platz; am 25. wurden dann mit der Sonde wieder eine Menge falscher
Membranen entleert. Hierbei wurde deutlich bemerkt, wie das Herz gegen die
Sonde schlug, und die lose zwischen den Fingern schwebende Sonde mit jedem
Herzschlage hüpfte. Schmerz verursachte dies dem Patienten nicht, son
dern er machte muntere Scherze darüber, wie auch über seinen stets regen Appetit.
Die Luft strömte bei diesen Verbänden stets ein und aus, besonders
wenn Patient sprach und lachte, ohne den Kranken im Geringsten zu
geniren.
An den folgenden Tagen hatte man täglich mit dem Entfernen dei falschen
Membranen seine Last, was stets schwieriger wurde, da kaum ein Esslöffel voll
Eiter bei jedem Verbände sich angesammelt hatte. Die Sonde wurde deshalb weit
herauf in den Herzbeutel geführt, um die falschen Membranen zu lösen, wobei das
Hüpfen der Sonde besonders stark wurde, wenn sie von der Spitze des Heizens
o-etroffen ward. Das Suppurationsfieber, an welchen Patient vor der Operation so
lano"e gelitten, verschwand vor und nach, sowie die Flüssigkeit entleert war, und
eine gutartige Eiterung sich eingestellt hatte. Am 30. stand die Herzbeutelwunde
schon i'/. 2 Zoll links vom Brustbein und über der 4ten Rippe; so sehr war der
Herzbeutel zusammen gezogen. Es wurde dann beim Verbände öfters nothwendig,
dass Patient sich ganz vorüber beugen musste, als wenn er sich hätte auf den
Kopf stellen wollen, um den Rest des Eiters zu entleeren. Das starke Zusammen
ziehen des Herzbeutels verengte nun noch die Herzbeutelwunde, wodurch bis zur
Mitte August, wo noch fast täglich bald kleinere, bald grössere plastische Germsel
entfernt werden mussten, dem Entfernen dieser grosse Schwierigkeit bereitet wurde.
Nach Mitte August wurden die Gerinsel seltener, der Eiter stets dünner und hellei ;
als dann Ende August der Ausfluss nur mehr gering und von seröswässeriger Be-

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