Herr Medicinal-Rath von Haxthausen stand hinter dem Kopfende und fixirte den
linken Arm, welcher im Ellenbogen gekrümmt und nach hinten gehalten wurde.
Der Rücken des Patienten war mit Kissen fest unterstützt; so wurde derselbe in
fast sitzender Stellung, etwas nach rechts hinüber geneigt, gehalten. Der Haut
schnitt wurde dann einen Daum breit vom Sternum in erwähntem Intercostalraum
näher dem oberen Rande der 5 ten Rippe mit dem graden Bistouri H/2 Zoll lang
wagerecht gemacht. Nachdem in leichten Zügen die Muskelschicht durchtrennt,
wurde, nachdem Patient aufgefordert, den Athem anzuhalten, in das vordere Me
diastinum mit dem gebogenen spitzen Richter’schen Fistelmesser am inneren Wund
winkel so eingestochen, dass die Oeffnung einen Sondenknopf durchdringen liess.
Mit der Sonde liess sich jetzt der prall gefüllte Herzbeutel vom vorderen Media
stinum aus umgrenzen, bei stärkeren Andrücken der Sonde gegen den Herzbeutel,
theilte sich die Herzbewegung derselben mit. Es wurde jetzt nach dem Vorschläge
Scielderups eine Hakenpincette durch die Oeffnung eingeführt, um den Herzbeutel
zu fassen und in die Operationswunde zu ziehen, man stiess jedoch bei der Enge
derselben auf solche Schwierigkeiten, dass davon Abstand genommen wurde. Mit
dem oben erwähnten Richter’schen Fistelmesser wurde alsdann durch die Oeffnung
vorgegangen derart, dass der gebogene stumpfe Rücken des Messers dem Herz
beutel zugewandt war; als die Spitze des Messers auf diese Weise ungefähr einen
Zoll weit unter das Brustbein vorgerückt war, wurde dessen Rückenseite gegen den
gefüllten Herzbeutel in der Richtung zum Herzen angedrückt, bis die Herzbewegungen
sich dem Messer mittheilten. Als sich dann der gefüllte Herzbeutel vor die Spitze
des Messers gelegt, wurde in denselben eingestochen. Gleich quoll von dem eitrigen
Exsudat hervor; es wurde dann das Messer in der Richtung zum Mediastinum an-
ticum geführt und die Oeffnung auf ungefähr einen Zoll erweitert, worauf im Strahle
eine Menge mit Eiter getrübter Flüssigkeit zu Tage trat. Nachdem 4 Wasser
gläser voll abgeflossen und beim Patienten sich sichtbare Erleichterung eingestellt
hatte, wurde die Wunde geschlossen, ein langes Bourdonnet hineingelegt, hierauf
gefensterte Leinewand, krause Charpie und Compressen gebracht; dann der Ver
band mit Heftpflasterstreifen befestigt, um durch Binden die Exkursionen des Thorax
nicht zu beeinträchtigen. Obgleich man an dem noch starken Ausfluss des Exsu
dats sehen konnte, dass noch sehr viel im Herzbeutel angesammelt war, so wurde
doch der weitere Abfluss unterbrochen, um den Lungen erst durch die stärkere
Herzthätigkeit Zeit zu lassen, sich ohne Gefahr auszudehnen. Drei Stunden nach
der Operation kam unter dem Verbände schon eine Menge Flüssigkeit wieder her
vor, so dass es nöthig schien, wieder zwei Gläser voll auslaufen zu lassen. Eine
Freude war es, zu sehen, wie sich von Stunde zu Stunde der Athem besserte, und
der Husten allmählig seltener wurde.
Nach der Entleerung des 5ten und 6ten Glases konnte man schon perikar
ditische Reibungsgeräusche wieder wahrnehmen. Am Abend gegen 8 Uhr musste
der Verband von Neuem gewechselt und das 7te Glas voll entleert werden, ebenso
am 20ten Morgens das 8te und Abends das 9te Glas. Als am 2 2ten Morgens
der Verband erneuert wurde, kam keine Flüssigkeit; es wurde deshalb die Sonde

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.