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Wildbraten war vorhanden: die Zunge war ziemlich rein; der Stuhlgang, welcher
alle zwei Tage regelmässig erfolgte, zeigte keine unverdauten Speisereste.
Die plötzliche starke Abkühlung der äusseren Haut in erhitztem Zustande ver
bunden mit dem Anhalten des Athemholens beim Tauchen unter kaltes Wasser
mussten eine Congestion des Blutes vornehmlich zu den inneren Brustorganen her-
vorrufen und dürften ein ätiologisches Moment für die Herzbeutel-Entzündung ab
geben können. Der Verlauf der Krankheit ferner wie die physikalische Unter
suchung Hessen keinen Zweifel obwalten über die Richtigkeit der gestellten Diagnose
eines grossen perikarditischen Exsudats, das aus dem Auftreten des Suppurations
fiebers bei dem Fehlen phthisischer Erkrankung der Lungen wie dem Oedem der
vorderen Brustwand zu schliessen, mit grösster Wahrscheinlichkeit in das eitrige
Stadium vorgeschritten sein wird. Nach mehrtägiger Beobachtung und wiederholtem
Feststellen erwähnter Befunde wurde als einziges Rettungsmittel die Operation des
Herzbeutelschnitts vorgeschlagen, dem Patienten vorgestellt, dass die Operation
wenig Schmerzen verurschen werde, und um seinen Muth zu beleben, ihm frühere
Patienten gezeigt, bei denen mit Glück die Thoracocentese gemacht worden war.
Bei der Umgebung des Patienten stiess man auf mehr Schwierigkeiten; doch
gelang es endlich am 19. Juli die Operation auf den folgenden Tag festzustellen.
Prognose.
Wenn die grosse Schwäche des Patienten wohl eine Contraindication selbst
bei glücklicher Operation ausmachen konnte, so gab doch das Fehlen anderweitiger
organischer Leiden namentlich solcher der Lungen, sowie die noch ziemlich gute
Beschaffenheit des Verdauungstraktus, Hoffnung, nach Entfernung des das Fieber
unterhaltenden Exsudats die Kräfte zu heben, indem durch die Entlastung des be
engten Thorax die entfesselte Respiration und Circulation dem Assimilations-
Prozesse die beste Hülfe leisten würde.
Es konnte keinem Zweifel unterliegen, dass das obwaltende Hinderniss der
Circulation und Athmung den Tod binnen kurzem herbeiführen würde, so gab doch
die Operation einige Hoffnung und schien somit berechtigt.
Da in der Nähe des Brustbeins von der 3ten bis 7ten Rippe sich bei der
Perkussison die grösste Resistenz gezeigt, wurde so ziemlich die Mitte der Däm
pfungsstelle zur Operation gewählt, um dort am sichersten eine Verletzung des
Herzens zu vermeiden. Zugleich die anatomischen Lageverhältnisse berücksichtigend
wurde der Zwischenraum der 4ten und 5ten Rippe links gewählt.
Da der Kranke der grossen Schwäche halber im Bette operirt werden musste,
so wurde dieses so vor das Fenster geschoben, dass volles Licht auf die linke
Brustseite des Patienten fiel. Der Kranke wurde in festsitzende Stellung gebracht;

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