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Status praesens.
Es wurden 197 ärztliche Ordinationen vorgelegt und Dr. Hollenhorst referirte
über den Verlauf der Krankheit, wie derselbe beschrieben und wie er sich aus den
angewandten Mitteln ergab. Der Kranke lag im Bett mit erhöhter Kopf- und Brust
lage und fast sitzender Stellung, etwas nach vorn und rechts geneigt. Sein Aus
sehen war kachecktisch; Gesicht, Hals, Arme und Beine sehr abgemagert, Augen
lidränder und Lippen von bläulicher Farbe; die verzerrten Züge des Gesichts ein
Gemisch von Angst, Athemnoth und Schmerz, trockene, ausgezehrte, schmutzig
gelbliche Haut, auf das äusserste abgemagert; die Zwischen-Rippen-Räume besonders
linkerseits mit Oedem ausgeglichen und glatt, das Oedem erstreckte sich bis zur
rechten Seite des Brustbeins. Die linke Hand und beide Füsse waren gleichfalls
ödematös geschwollen. Die Stimme rauh und heiser, die Sprache matt und be
schwerlich. Beim Sprechen und Antworten auf Fragen stellte sich trockner rauher
Husten ein, der nach vieler Anstrengung einen speichelhaften schaumigen Auswurf
hervorbrachte; der Athem war sehr kurz und behindert, wobei die Bauchmuskeln
sehr in Thätigkeit versetzt wurden. Der T horax hob sich nur ganz unbedeutend
rechterseits — linkerseits konnte man an den Interkostal - Räumeft während des
Athmens keine Aenderung bemerken.
Die Klagen des Kranken waren nur Schwäche, — wie wenn eine Ohnmacht
im Anzuge sei — Druck und Schwere tief in der Brust, — wie er sich ausdrückte,
— Athemnoth und Angst.
Bei der Perkussion zeigte sich an der ganzen linken Seite von der 3 ten bis
7ten Rippe dumpfer Ton, derselbe erstreckte sich nach rechts vom Brustbein 3
Finger breit, oberhalb der 3 ten und unterhalb der 6ten Rippe war der Ton heller,
ebenso nach der Achselhöhle der linken Seite zu, auf dem Schulterblatt und unter
halb desselben. An der ganzen rechten Seite mit Ausnahme der vorhin bezeich-
neten Stelle am Sternum war der Perkussionston hell und laut. Die Auskultation
liess den Herzschlag zwar schwach aber deutlich hören, wenn der Kranke ruhig
und mit erhöhter Brustlage ruhte. Bei Bewegungen wurden die Herztöne undeutlich
und wirr; man vernahm dann ein undulirendes Schwappen in der Brust, soweit
die Dämpfung sich erstreckte, besonders wenn der Kranke hustete.
Man nahm die Undulation am deutlichsten wahr in der Gegend der 3 ten
Rippe oben links und der /Ren bis 5ten Rippe rechts vom Brustbein bei Bewegun
gen des Thorax. In der rechten Brustseite waren die Athmungsgeräusche deutlich
zu hören, in der linken undeutlich. Der Puls war schwach, weich und klein, be
sonders am Morgen; Abends wurde der Puls frequenter, und stellte sich Pieber
ein, das gegen Morgen mit klebrigem Schweiss sich verlor. Der Urin hatte einen
theils weisslichen, theils Ziegelmehl farbenen Bodensatz. Am Morgen war das Ge
fühl der Schwäche und Ohnmacht am vorherrschendsten; bei Tage und des Nachts
besonders das Gefühl der Schwere in der Brust, Athemnoth und Husten die Haupt-
klaren des Patienten. Appetit zu Bouillon und Ungarwein sowie etwas weichem

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