beutels zum Gegenstände einer Besprechung zu machen. Bevor ich auf die in der
Litteratur veröffentlichten Fälle eingehe, sei es mir gestattet, folgende Kranken
geschichte vorzuführen:
Der Post-Secretair Mathias Huser aus Arnsberg in Westphalen, ein Mann
von 25 Jahren, robusten Habitus, hatte seine Jugend in Ganzen gesund verlebt.
Zur Zeit seiner Pubertäts-Entwickelung hatte er einige Male an Epilepsie gelitten,
auch die Masern leicht und glücklich überstanden. Während seines Jüngling-Alters
am Rhein sich aufhaltend erkrankte er dort kurze Zeit an Wechselfieber; nach
seinem Aufenthalt in Westphalen erfreute er sioh dann stets der besten Gesundheit,
bis er plötzlich am 16. October 1843 starkem Schüttelfrost, schwer erkrankte,
nachdem er stark erhitzt bei einem Rettungsversuche in das Wassei der Ruhr ge
taucht war. Dem Schüttelfrost folgten trockne Hitze, Schmerzen in der Herz
gegend mit Angst und Beklemmungsgefühl; am 19- requirirte deshalb Patient Herrn
Dr. Freusberg, der eine acute Parikarditis diagnosticirte und eine antiphlogistische
Kur mit Aderlass und Darreichung von Nitrum einleitete. Das Angstgefühl verlor sich
Anfangs hierauf, doch traten sehr bald die Schmerzen wieder auf, so dass noch
Abends Schröpfköpfe und Emplastr. Cautharid. auf die Herzgegend angeordnet
wurden. In den folgenden Tagen wurde abwechselnd Calomel gereicht und Blut-
egel gesetzt. Am 25. wurde Dr. Brisken hinzugezogen, Calomel, Blutegel und
Blasenpflaster wurden wiederholt. Am 26. Amon, muriat. mit Tartar, stibiat. ordi-
nirt, nochmals wieder Schröpfköpfe gesetzt und Einreibungen von Ungt. hydrag.
einer, ungeordnet; am 28. wird Calomel mit Aconit, gegeben nebst einem Eaxans,
Inf. Seunae mit Magn. sulfur. Als am 29. Exsudat im Herzbeutel deutlich wahr
nehmbar war, wurde Inf. Digital, mit Kali acet. gereicht. Von dieser Zeit an nahm
das Fieber ab, der Puls wurde weich und schwach, ein trockner Husten stellte sich
ein, der dann und wann krampfhaft wurde. Der ganze November verlief untei
Zuziehung noch mehrerer Aerzte ohne alle Aenderung; bald suchte man den Krampf
husten zu beseitigen durch Pulv. Doweri, bald durch Amon, muriat. zu lösen mit
Zusatz von Narcoticis, bald suchte man wieder die Resorption anzuregen durch
Scilla, Digitalis, Einreibung von Merkurial-Salben, bald die Verdauung zu unter
stützen durch bittere Mittel China etc. Von Neujahr ab übernahm Dr. Hollenhorst
die Behandlung, Tartar, boraxat. und natronat. mit Extr. laraxac. Chelidonii.
Graminis. Rheum wurden gereicht. Wenn auch hin und wieder Linderung geschafft
wurde, der Zustand des Kranken blieb ohne Besserung. Es verlief Januar und
Februar; Anfangs März stellten sich Fieber mit abendlichem Frösteln und Morgen-
schweissen ein, und zeigte den Uebergang des Exsudats in ein Empyem. Man zog
abermals Aerzte zu Rathe, und, da Patient vor zwei Jahren an Wechselfieber in der
selben Jahreszeit gelitten, so gab man Chinin, jedoch ohne Wirkung.
Sämmtliche Aerzte, die bei der Behandlung nach und nach zugezogen wur
den, waren der Ansicht, dass ein Exsudat im Herzbeutel in Folge einer acuten
Entzündung desselben zugegen sei, als dann am 7. Juli, 8 Monate nach dem Be
ginne der Krankheit mein Vater zur Behandlung hinzugezogen wurde.

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