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Fürsten abzuweisen. Indessen Hieron Hess nicht ab, Künstler und Gelehrte in sein
gastliches Haus zu entbieten und bald sammelte sich um ihn ein gewählter Musenhol.
Es fügte sich, dass unter den an Hierons Hofe sich einfindenden Gästen auch
die beiden grössten Dichter aus dem Griechischen Mutterlande waren, Aeschylus und
Pindar, zwei Männer, in denen sich das künstlerisch-poetische Talent mit Tiefe und
Reichthum des Denkens wunderbar verband. Nie ist wohl bei Dichtern andrer Zeiten
diese Verbindung eine gleich vollkommene und glückliche gewesen. Sie brachten in
ihren Dichtungen die Blüthe der Cultur-Entwicklung von Alt-Hellas nach Sicilien, eine
neue Weltanschauung, welche himmelweit verschieden war von der, dem Genufs zu
gewendeten Denkweise der Syrakusaner. In Muttergriechenland hatte sich seit dem
Erwachen der Nation aus träumerischen Anfängen eine grossartige Entfaltung des
geistigen und staatlichen Lebens vollzogen, welche durch die Katastrophe der Perser-
kriege ihren vollen Abschluss erhalten hatte. Wir wollen hier zunächst nur die reli
giöse Entwicklung ins Auge fassen; auf diesem Gebiet stellt sich bei den Hellenen
das stetige Fortschreiten von Stufe zu Stufe am Reinsten und Klarsten dar. Jedes
neue Lebensalter, in welches die Nation tritt, schafft sich eine adäquate Form des
Gottesbewusstseins; es ist dem Hellenen die wichtigste und heiligste Angelegenheit,
nach dieser Seite hin in sein Denken Klarheit und Einheit zu bringen.
Wie durchgreifend hatte seit Homers Zeiten sich der Kreis des religiösen
Denkens verändert und geläutert! Bei Homer sind die Götter zwar nicht mehr Natur
götter, aber auch noch keineswegs die persönlichen Vertreter des sittlich Guten, sie
handeln nach Willkühr und Laune und sind gar nicht wählerisch in ihren Mitteln.
Das Menschenthum bei Homer stellt sich wesentlich in den Heroen dar; da aber die
Heroen eigentlich Nichts anderes sind als ursprüngliche Gottheiten, die in die mensch
liche Sphäre übergetreten sind, so ist es leicht erklärlich, weshalb eine scharfe Grenz
linie zwischen menschlichem Recht und göttlichem Recht bei Homer noch nicht her
vortritt. Die LIeroen greifen oft hinaus über die Schranken der Menschen-Natur, es
lebt in ihnen ein himmelstürmender, ungezügelter Sinn.
Ganz anders sind diese Anschauungen einige Generationen später geworden.
Die Griechen bildeten die ältere volksthümliche Religion einer vorgerückteren Stufe
der Bildung gemäfs um; sie hüteten sich sehr wohl, den alten volksthümlichen Glauben
über Bord zu werfen; sie vertieften vielmehr die in demselben verborgene, unver
äusserliche Thatsache des Gottesbewufstseins —, und das war es, worin sie sich
wesentlich von den Syrakusanischen Stammgenossen unterschieden. Man kann jene
neu gewordene Religions-Auffassung die Apollinische nennen, da Apollon in ihr als
Gott der Offenbarung durch Zeichen und Orakel eine Haupt-Rolle spielt. In diesem
System des Religiösen Denkens ist die Haupt - Grundlage der Kosmos, d. h. die
Idee einer vollendeten Harmonie und Schönheit im physischen Weltall und im sittlichen
Leben. Die Götter unter der Herrschaft des Zeus sind die Träger und Hüter dieser

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