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unterzogen. Ein reicher Syrakusaner sucht mit Aufwand aller Beredtsamkeit einen
seiner weniger bemittelten Freunde für Heraklits Fahne zu werben, und wiiklich,
es gelingt; & und der überzeugte Freund benutzt die grofsmüthige Stimmung des
Siegers, & um ein Darlehn sich von ihm auszubitten. Als der Zahlungstermin kömmt,
zuckt der Schuldner die Achseln und belehrt den Gläubiger, dafs er ihm Nichts
schuldig sei, denn nach dem weisen Heraklit sei er seit der Aufnahme des Darlehns
schon so und so oft ein Andrer geworden. Allein der Gläubiger schlägt gewandt
den Gegner mit defsen eignen Waffen. Er ladet ihn für den nächsten Tag zu einem
leckeren Versöhnungs-Mahl. Der Gast erscheint, aber nun muss er seinerseits er
fahren, dass er ja nicht geladen sei, denn seit gestern sei er ja ein andrer geworden.
Die Anspielungen auf die Philosophie der Eleaten bei Epicharm müssen auch zahlreich
gewesen sein Eine solche Bezugnahme sehr komischer Art können wir noch bei
einem Bruchstück durch Divination wahrscheinlich machen. Odysseus, in dem Stück:
der schiftbrüchio-e Odysseus, kommt nach zwanzigjähriger Abwesenheit nach Ithaka
zurück und trifft zunächst mit dem aus der Odyssee so wohl bekannten Sauhirten
Eumaeus zusammen. Eumaeus sagt ihm, er werde in seinem eignen Hause alles
gänzlich verändert finden. Da fällt ihm Odysseus, der inzwischen Eleatischer Philo
soph geworden ist, sofort ins Wort, und beweist, dass nach Eleatischer Philosoph,e
sich nicht alles verändere, vielmehr das Ding an sich unveränderlich und beharr-
lieh bleibe
So trieb man damals in Syrakus Philosophie und Alles andre. Man lebte dem
Moment des lieblichen Heute; man erkor sich den Wahlspruch: .Morgen können
wirs nicht mehr, darum lasst uns heute leben..
Die Herrscher Gelon und Hieeos blieben diesen Abwegen gegenüber indiffe
rent sie mochten die Wurzel des Uebels nicht erkennen. Sie Hessen es nicht fehlen
an den Mitteln jener äusseren Bildung und Verfeinerung, die wohl ein Schmuck des
Lebens ist aber für sich allein eine wahre, in das Innere reichende Veredlung nicht
wirken kann Besonders Hieeon war ein warmer Freund der Künste und Wissen
schaften - er belohnte die Jünger derselben fürstlich, und Fürstengunst ist ja von je
ein gewaltiger Magnet für die Söhne der Musen gewesen. H,eeon besafs sogar eine
ganz besondre Vorliebe, sich mit den höheren Fragen des menschlichen Erkennens
zu beschäftigen Es ist uns eine anmuthige Erzählung hierüber aufbewahrt. Der
Dichter Simonides, ein feiner höfischer Weltmann, war jahrelang- ein willkommener
r T T r FJnsf- frup- ihn Hieron, was er über das Wesen der Gottheit
denke Simonides erbat einen Tag Bedenkzeit. Als nach dessen Ablauf Hieron die
Frao-e wiederholte erbat sich Simonides zwei Tage weiterer Ueberlegung; hierauf
weitere vier Als Hieron endlich um die Ursache frag, antwortete der Dichter: »Ich
muss diefs thun weil der Gegenstand, je länger ich darüber nachdenke, mir um so
unbegreiflicher erscheint.. So wusste der kluge Hofmann che edle Anwandelung des

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