3*
19
führten. Die Umgebung der Oeffnung war geröthet und derb infiltrirt. Die Fistel selbst war so
ene, dass nur ein sehr dünner elastischsr Katheter hindurchgeführt werden konnte, mittelst wel-
ehern eine klare sauer reagirende Flüssigkeit herausgesogen werden konnte.
Durch die Palpation der Magengegend konnte eine beträchtliche Gastrektasin constatirt
werden. Durch die Einführung eines dünnen Laminariastiftes wurde die Fistel erweitert, so dass
der Magensaft reichlicher abfliessen konnte, welcher täglich zur weiteren Untersuchung auf das
physiologische Institut geschafft wurde.
Doch schon in den nächsten Tagen nach der Aufnahme nahmen die Schmerzen so an
Insensität zu, dass von der Darreichung fester Speisen Abstand genommen werden musste, da die
selben der Patientin unstillbares Erbrechen verursachten, aber auch rein flüssige Nahrungsmittel
wurden sofort nach der Einführung durch die Fistel wieder entleert. Der Zustand der Kranken
verschlimmerte sich zusehends. Am sechsten Tage nach der Aufnahme zeigte auch die Umge
bung der Fistel einen diphteritischen Belag und zugleich stellte sich eine leichte Blutung aus dem
Magen ein. Die Wunde wurde mit Ac. carbolic, verbunden. Die Fistel war so weil vergrössert,
dass man mit Hülfe von reflcctirtem Lichte die hintere stark geröthete Magenwand erkennen
konnte. Da die ganz flüssigen Speisen, ohne sich im Magen aufzuhalten, sofort und leicht durch
die erweiterte Fistelöffnung, welche an Grösse durch die rasche Verbreitung des diphteritischen
Processes bedeutend zugenommen hatte, abflossen, so wurde nur noch Champagner per os ge
reicht und der Patientin die Nahrung dreimal täglich in Form von Leubeschen Klystieren ein
verleibt. Noch einmal trat eine spontane Magenblutung ein, welche aber durch innere und äussere
Application von Plis bald gestillt wurde, dann erfolgte nach i/pagigem Aufenthalt in der Klinik
der Tod der' Patientin durch Inanition.
Im Sectionsbefund wurde Folgendes notirt:
Weiblicher Leichnam, sehr stark abgemagert.
Dicht unter dem linken Rippenrande, neben der Mittellinie befindet sich in der Haut eine
I cm. im Durchmesser haltende runde Oeffnung mit ziemlich ausgedehnten Erosionen der Um
gebung. Diese Oeffnung führt in den Magen. Der Magen selbst eng zusammengezogen. Der
Fundustheil etwas weiter als der Pylorustheil; die eben genannte Oeffnung findet sich fast genau
in der Mitte des Magens. Der Magen daselbst aufgeschnitten 4,2 cm. weit zeigt eine in der
Längsrichtung 3,6 cm., im Querdurchmesser 1,6 cm. grossen Substanzverlust durch die ganze
Dicke der Wand. Zwischen diesem Substanzverlust und dem Loch in der äusseren Haut ein
i cm. tiefer, im Längsdurchmesser 4 cm., im Querdurchmesscr 2 cm. messender glattwandiger
Hohlraum. Von dem Defect der Magenwand setzt sich die kleine Curvatur noch gegen das
Duodenum hin in eine 2,2 cm. lange Narbe fort. Die Schleimhaut nach dem Defect und nach
dieser Narbe hin ist strahlig hereingezogen.
Noch ein weiterer seltener Krankheitsfall kam hier zur Beobachtung, welcher aber bereits
in der Berliner Klinischen Wochenschrift von Dr. LÜRMAN veröffentlicht wurde. Dieser Pall
betraf einen 24jährigen Landmann, welcher sich eine Spciseröhrenfistel acquerirt hatte, durch
welche wiederum ein secundärer umfangreicher Mediastrinalabsens entstanden war.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.