17
die Angaben dei piaktischen Aerzte unsrer Stadt, welche ebenfalls eine grosse Zahl von an acutem
Geltnkiheumatismus Erkiankten behandelten. Die Dauer des Leidens war eine sehr verschiedene
und schwankte zwischen 12 und in Tagen, die mittlere Krankheitsdauer betrug 52 Tage. Merk
würdigerweise verliefen die 5 mit Herzbeutelentzündung complicirten Fälle, mit einer Ausnahme,
am schnellsten, und konnten spätestens nach 3 5 Tagen als geheilt entlassen werden. Es ist nur zu
bedauern, dass uns zu jener Zeit die überraschend heilsame Wirkung des acidum salicylicum noch
nicht bekannt war. Dies Mittel hat sich seitdem auch hier glänzend bewährt.
Den Selbstmord verübte an sich eine 30 Jahre alte unverheiratete Patientin. Dieselbe
war vor 5 Jahren an einem Magengeschwür in der hiesigen Klinik behandelt. Zu jener Zeit hatte
sie die verführerische Wirkung des Morphium kennen und schätzen gelernt. Patientin wurde da
mals ungeheilt entlassen und hatte mittlerweile durch Gebrauch von argentum nitricum, dessen
Quantität Patientin nicht anzugeben im Stande war, eine vollständige Argyrose ihrer Haut herbei
geführt und durch einen nicht minder eifrigen Genuss von Morphium, welches sie sich in Form
von subcutanen Injectionen mehrmals stündlich einverleibte, sich der Morphiophagie in hohem
Giade eigeben. Schliesslich hatte auch dies souveräne Mittel ihr keine genügende Linderung ihrer
Schmerzen verschafft, und sie kam daher Hülfe suchend ins Hospital.
Vom Kopf bis zur Sohle war die sehr heruntergekommene und im höchsten Grade elend
aussehende Patientin silbergrau gefärbt, am intensivsten diejenigen Körpertheile, welche dem Ein
flüsse des Sonnenlichtes ausgesetzt gewesen waren. In der Klinik aufgenommen wurde ihr der
Genuss des Morphium in so weit gekürzt, als ihr nur noch Morgens und Abends 2 Centigramm
verabfolgt wurden, trotz passenuer Diät verbesserte sich der Zustand der trostlos daliegenden
Kranken nicht. Im Gegentheil nahmen ihre Kräfte zusehends ab.
Nachdem Patientin 40 Tage in der Klinik behandelt war, machte sie Nachts durch Er
hängen, indem sie ein leinenes Tuch um ihren Hals und dieses an ihrem Bettpfosten befestigte,
ihrem Leiden ein Ende.
Dem Sectionsbefunde entnehmen wir Folgendes:
«Weiblicher Leichnam, sehr stark abgemagert, Haut durchaus sehr stark abschilfernd,
von ganz eigenthümlichem grau-bläulichem Colorit,
Das Herz sehr klein, aussen ziemlich fettreich, das Pericard (Visceralblatt) ganz leicht
grau gefärbt, die Klappen rechts sehr stark, links etwas weniger stark grau gefärbt. Das Endo-
card, besonders rechts, im rechten Vorhof und • Ventrikel intensiv grau gefärbt, das Herzfleisch
sehr derb, eigenthümlich dunkel grau-braun, die Innenfläche der Pulmunalarterien grau-braun
fleckig, ebenso die Innenfläche der Aorta, weniger der absteigende Ast als der Arcus.
Schlund und Speiseröhrenschleimhaut durchaus stark grau gefärbt, ebenso die
der Zungenwurzel und des weichen Gaumens. Schleimhaut des Kehldeckels auch an der unteren
Fläche stark grau, weiterhin die der Luftwege nach unten abnehmend weniger grau gefärbt.
Milz sehr klein und schlaff. Auf dem Durchschnitt das Gewebe sehr schlaff intensiv
schiefrig grau gefärbt.
Nieren. Kapsel etwas fester haftend. Oberfläche dunkel grau-roth-schiefrig, auf dem
Durchschnitt das gesammte Gewebe sehr düster grau-roth, Pyramiden gleichmässig schiefrig, Corti-
calis von unzähligen feinen intensiv blau-schwarzen Körnchen durchsetzt.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.