Was die Entstehung der Atresia vaginae congenita betrifft, so müssen wir nach den Unter
suchungen der verschiedenen Autoren, als: Thiersch, Forster, Leuckart, Klob, Kölliker und Dohm
annehmen, dass dieselbe eine Bildungshemmung ist, dadurch hervorgerufen, dass die Müller’schen
Gänge mit einander verwachsen und dabei das Lumen verschlossen bleibt. Auf diese Weise können
die Müller’schen Gänge sich zu einem fibrösen Strang, welcher zwischen Blase und Rectum, rosp.
Urethra und Rectum eingebettet liegt, gestalten und den Zustand, welchen wir als das Fehlen der
Vagina bezeichnen bewirken. Tritt diese Bildungshemmung nur in einem Abschnitte der Müller’schen
Gänge ein, so haben wir die Atresia vaginae inferior, media, oder auch, wie in unserm Fall,
superior vor uns.
Symptome zeigt die angeborne Atresia keine vor dem Eintritt der Pubertät, zu welcher
Zeit die Molimina menstrualia auftreten, ohne dass Blut abfliesst: und in den ersten, meistens vier
wöchentlichen Perioden, nur einige Tage dauern, um dann wieder vollkommen zu verschwinden.
Im weiteren Verlaufe werden die Schmerzen stärker und dauern länger und nehmen einen mehr
wehen- und kolikartigen Charakter an. T .
Biese letzteren sind als ein Zeichen zu betrachten, dass der Uterus durch das in ihm an-
„ , ... ; , , , • i wnrm dieses bis zu dom Grade geschehen, dass der intrauterine
gestauete Blut ausgedehnt wird; und v enn un.se* ui=> , .
n , . . . ° pi n f verhindert; stellen sich die Blutansammlungen in den
Bruck das Austreten von weiterem ol® vu-iuuul.il, ö . ..
Tuben ein Biese Blutungen* sind keine Rückstauungen vom Uterus her, sondern als vicamrende
Blutungen der Tuben anzusehen; welches auch durch den vorliegenden Fall deutlich bewiesen wird;
da erstlich die Blutsäcke dem Abdominalende der Tuben näher liegen und in keiner Weise mit
dem Uterus communiciren. Es treten Störungen beim Urimren und der Befacation auf, und die
andauernden Schmerzen haben Appetitmangel und Schlaflosigkeit zur Folge, so dass die Patienten
mehr und mehr herunterkommen. , , ...... . , .
Die Bia o-nose wird fast nie vor dem Eintritt der Pubertät gestellt; dann leitet aber auch
schon die Anamnese darauf hin; und die Molimina memtamlia obn. Blutabfluss. Di e Haemato.
, , . , . . . , • Srhwierie-keiten, wenn man ausser per vaginam, per rectum
metra zu constatiren bietet keine grossen öcnwierigKciieu, vv ' AT 1 °, 1 1 . .. •
untersucht und einen Katheter in die Blase fuhrt. Vor Wechslung mit Neubddunge» schüfst
erstlich da, Alter der Kranken, dann aber auch die Consistent des, mit Blut gefüllten Uterus. Zur
Sicherheit dient noch die Einführung des Speculum,.
Haematometra und Hydrometre kann man gelegentlich verwechseln, doch wird man sich
1 ... 'lo. Alter der Kranken und die Anamnese in Betracht zieht,
kaum irren können, wenn man aas Aitei 1
Bie Prognose ist in den meisten Fällen sehr ungünstig, denn wenn sich schon Blutan-
. . rn V Tinben' so verlaufen die meisten Fälle tödtlich.
Sammlungen in den Tuben gebildet naoen, »o
, , ....... , • „nopvem Falle) durch Perforations-Peritonitis nach
folgt gewöhnlich (wie auch in unseiem ,
Tuben Säcke- die entweder hervorgerufen wurde durch Anwendung der Bauchpresse oder durch
Contraction des punctirten Uterus, welche letztere die Zerreissung der durch adhäsive Peritonitis
mit ihm verwachsenen Blutsäcke zur Folge hatte. .
Tn einio-en wenigen Fällen wurde jedoch durch die Operation Genesung herbeigeführt und
hat man später sogar Schwangerschaft beobachtet; während ohne Operation der Tod ja der unver
meidliche Ausgang ist. .
Bie Therapie kann alleine in der Operation bestehen und muss letztere dem einzelnen
Fall angepasst werden. Allgemeine Regel ist, dass man den Zeitpunkt der Operation zwischen
zwei Menstruationsperioden wählt; und, wenn man den Fall von Anfang an behandelt, möglichst
ehe Blutsäcke in den Tuben sich bilden. Weiter hat die Erfahrung gelehrt, dass, man am besten
zuerst einen feinen Troicart zum Einstich in die Haematometra benutzt, damit das Blut langsam
Ber Tod er_
Zerreis sung der

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.