Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Was die Entstehung der Atresia vaginae congenita betrifft, so müssen wir nach den Unter 
suchungen der verschiedenen Autoren, als: Thiersch, Forster, Leuckart, Klob, Kölliker und Dohm 
annehmen, dass dieselbe eine Bildungshemmung ist, dadurch hervorgerufen, dass die Müller’schen 
Gänge mit einander verwachsen und dabei das Lumen verschlossen bleibt. Auf diese Weise können 
die Müller’schen Gänge sich zu einem fibrösen Strang, welcher zwischen Blase und Rectum, rosp. 
Urethra und Rectum eingebettet liegt, gestalten und den Zustand, welchen wir als das Fehlen der 
Vagina bezeichnen bewirken. Tritt diese Bildungshemmung nur in einem Abschnitte der Müller’schen 
Gänge ein, so haben wir die Atresia vaginae inferior, media, oder auch, wie in unserm Fall, 
superior vor uns. 
Symptome zeigt die angeborne Atresia keine vor dem Eintritt der Pubertät, zu welcher 
Zeit die Molimina menstrualia auftreten, ohne dass Blut abfliesst: und in den ersten, meistens vier 
wöchentlichen Perioden, nur einige Tage dauern, um dann wieder vollkommen zu verschwinden. 
Im weiteren Verlaufe werden die Schmerzen stärker und dauern länger und nehmen einen mehr 
wehen- und kolikartigen Charakter an. T . 
Biese letzteren sind als ein Zeichen zu betrachten, dass der Uterus durch das in ihm an- 
„ , ... ; , , , • i wnrm dieses bis zu dom Grade geschehen, dass der intrauterine 
gestauete Blut ausgedehnt wird; und v enn un.se* ui=> , . 
n , . . . ° pi n f verhindert; stellen sich die Blutansammlungen in den 
Bruck das Austreten von weiterem ol® vu-iuuul.il, ö . .. 
Tuben ein Biese Blutungen* sind keine Rückstauungen vom Uterus her, sondern als vicamrende 
Blutungen der Tuben anzusehen; welches auch durch den vorliegenden Fall deutlich bewiesen wird; 
da erstlich die Blutsäcke dem Abdominalende der Tuben näher liegen und in keiner Weise mit 
dem Uterus communiciren. Es treten Störungen beim Urimren und der Befacation auf, und die 
andauernden Schmerzen haben Appetitmangel und Schlaflosigkeit zur Folge, so dass die Patienten 
mehr und mehr herunterkommen. , , ...... . , . 
Die Bia o-nose wird fast nie vor dem Eintritt der Pubertät gestellt; dann leitet aber auch 
schon die Anamnese darauf hin; und die Molimina memtamlia obn. Blutabfluss. Di e Haemato. 
, , . , . . . , • Srhwierie-keiten, wenn man ausser per vaginam, per rectum 
metra zu constatiren bietet keine grossen öcnwierigKciieu, vv ' AT 1 °, 1 1 . .. • 
untersucht und einen Katheter in die Blase fuhrt. Vor Wechslung mit Neubddunge» schüfst 
erstlich da, Alter der Kranken, dann aber auch die Consistent des, mit Blut gefüllten Uterus. Zur 
Sicherheit dient noch die Einführung des Speculum,. 
Haematometra und Hydrometre kann man gelegentlich verwechseln, doch wird man sich 
1 ... 'lo. Alter der Kranken und die Anamnese in Betracht zieht, 
kaum irren können, wenn man aas Aitei 1 
Bie Prognose ist in den meisten Fällen sehr ungünstig, denn wenn sich schon Blutan- 
. . rn V Tinben' so verlaufen die meisten Fälle tödtlich. 
Sammlungen in den Tuben gebildet naoen, »o 
, , ....... , • „nopvem Falle) durch Perforations-Peritonitis nach 
folgt gewöhnlich (wie auch in unseiem , 
Tuben Säcke- die entweder hervorgerufen wurde durch Anwendung der Bauchpresse oder durch 
Contraction des punctirten Uterus, welche letztere die Zerreissung der durch adhäsive Peritonitis 
mit ihm verwachsenen Blutsäcke zur Folge hatte. . 
Tn einio-en wenigen Fällen wurde jedoch durch die Operation Genesung herbeigeführt und 
hat man später sogar Schwangerschaft beobachtet; während ohne Operation der Tod ja der unver 
meidliche Ausgang ist. . 
Bie Therapie kann alleine in der Operation bestehen und muss letztere dem einzelnen 
Fall angepasst werden. Allgemeine Regel ist, dass man den Zeitpunkt der Operation zwischen 
zwei Menstruationsperioden wählt; und, wenn man den Fall von Anfang an behandelt, möglichst 
ehe Blutsäcke in den Tuben sich bilden. Weiter hat die Erfahrung gelehrt, dass, man am besten 
zuerst einen feinen Troicart zum Einstich in die Haematometra benutzt, damit das Blut langsam 
Ber Tod er_ 
Zerreis sung der
	        

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