Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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in grader Linie gemessen ist die linke Tube ganz plötzlich sehr stark verengt und gleich darnach 
zu dem oben beschriebenen grossen Sack ausgedehnt. An der Verengungsstelle sind die Säcke 
durch ziemlich reichliche peritonitische Exsudatmassen mit einander verwachsen; bei vorsichtigem 
Lösen erscheint die Wand daselbst vollkommen macerirt, locker-pulpös erweicht, so dass nur durch 
die Verlöthungen die Communication mit der Peritonealhöhle verhindert erscheint. Auch an dem 
darauf folgenden, sehr grossen, Sacke zeigen sich mehrere Stellen ausserordentlich dünn und leicht 
zerreissbar. 
Von den Eimbrien ist links keine Spur aufzufinden, es schliesst vielmehr die Tube mit 
diesem grossen Sacke ab. 
Rechts folgt, in grader Linie gerechnet, ungefähr in derselben Entfernung vom Uterus 
ebenfalls eine ganz plötzliche Abschnürung der stark erweiterten Tube- Es lässt sich jedoch im 
Beginne des darauf folgenden, etwa hühnereigrossen Sackes eine gerade für den Knopf einer feinen 
Sonde durchgängige Communication mit der Tube nachweisen. An dieser Seite zeigt sich keine 
erweichte Stelle der Wandungen. Die Innenfläche der grossen Säcke hat an verschiedenen Stellen 
einen ziemlich dicken, festhaftenden, rostfarbenen Belag. Das Ende der Eimbrien ist hier rechts 
ebenfalls nicht aufzufinden. 
Die Ovarien sind beide in den Adhäsionen verborgen. 
Der Uterus ist sehr stark vergrössert. Seine Höhle ist 10 Centimeter lang und am Fundus 
4,5 Centimeter breit. Der Cervicalkanal erscheint etwas Sförmig gekrümmt, nach links hin ausge 
buchtet, die Längsfalte nach links hin gebogen. Das Orificiurn externum ist vollständig obliterirt 
und durch eine dicke derbe Masse von dem oberen Ende der Scheide getrennt. 
Die Scheide ist nach Oben hin zunehmend enger und endet blind. An ihrem blinden 
Ende findet sich eine operative Eröffnung nach dem gegen links hin ausgebuchteten Sack des Cer- 
viealkanals. Das Hymen ist vorhanden und durch die Operationen sehr erweitert. Die Columna 
plicar, ant. und post, sind vorhanden. Die Urethra ist normal. 
E PI C RI S E. 
Die Section beweisst die Richtigkeit der Diagnose sowohl der Atresie, wie der Haemato 
metra als auch der Haematosalpynx. 
Das in der Bauchhöhle Vorgefundene Blut stammt offenbar aus dem linken Tubensack 
dessen erweichte Wände an einer Stelle perforirt gewesen. Die Oeffnuugen waren später wieder 
mit der Wandung des anderen Sackes durch Exsudatmassen verlüthot worden. Die Beschaffenheit 
desselben stimmt durchaus mit dem in den Tubensäcken befindlichen Blut überein. 
Wie diese Berstungen der Tubensäcke zu Stande kommen; ob durch den Zug, der den in 
Folge der Punetion sich verkleinernde Uterus auf die durch chronische Peritonitis angelötheten 
Säcke ausübt oder durch die sich den Tuben mittheilende aktive Contraction des Uterus ; wage ich 
nicht zu entscheiden. Letzteres erscheint mir wahrscheinlicher, da sich die Contractionen der glatten 
Muskelfasern bekanntlich leicht fortpflanzen. 
Dei L instand, dass die Llutsäcke sich in dem abdominalen Ende der Tuben entwickelt 
hatten und gegen den Uterus hin vollkommen abgeschlossen waren, bew T eisst, dass sie nicht durch 
Rückstauung vom Uterus aus entstanden sein konnten.
	        

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