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Friedrich Kr., stud, jur., 21 Jahre alt aus Altona hat seit den ersten Kinderjahren mit dem
von der Geburt an amblyopischen linken Auge nach innen geschielt. Vor vier Jahren ist dasselbe
von einem bekannten auswärtigen Ophthalmologen operirt worden und seitdem hat sich allmälig ein
Schielen nach der entgegengesetzten Seite entwickelt, welches den Patienten noch stärker belästigt
und entstellt, als das frühere.
Es besteht
rechts
E. S. = 1
Die Refraction des linken Auges functionell zu bestimmen, gelingt nicht. Die Sehschärfe
beträgt nur 10 /20o.
Der Augenspiegel zeigt
rechts ein schmales temporales Staphylom und ziemlich bedeutende Injection der papilla
nerv. opt.
links eine unbedeutende Hypermetropie im horizontalen Meridian, im Uebrigen keine
nachweisbare Abnormität.
Es besteht Strabismus divergens o. sin.
Die Pupillardistance beträgt 69 - 70 mm; der Unterschied der Abstände 4 mm.
Sehr wahrscheinlich hat auch hier das abgewichene und von Anfang an amblyopische Auge
durch einen instinctiven Verzicht auf jede Accommodationsleistung sich vor der Entwicklung eines
Staphyloms bewahrt.
Doch abgesehen davon bietet dieser Fall auch wegen der raschen Entwicklung eines
Strabismus divergens aus einem durch Operation mehr weniger beseitigten Einwärtsschielen ein
gewisses Interesse und erlaube ich mir deshalb, hier am Schlüsse meiner Arbeit, diesem Gegen
stände noch einige Worte zu widmen.
Auf dem 1871er Ophthalmologencongress zu Heidelberg lenkte Prof. Wecker die Aufmerk
samkeit der Fachgenossen auf die von ihm aus verschiedenen Umständen geschlossene Möglichkeit,
dass eine Selbstcorrection des Strabismus converges stattfinden könne und bemerkte, dass man auch
aus diesem Grunde mit der Dosirung des Effectes bei diesen Strabotomien möglichst vorsichtig zu
Werke gehen müsse.
W. berief sich dabei auf das auffallend seltne Vorkommen des Strabismus convergens bei
höheren Altersstufen und wie häufig in Fällen, wo in der ersten Jugend ein Strabismus convergens
selbst mit allen gebotenen Cautelen operativ beseitigt worden, im Laufe der weiteren Entwicklung
sich eine secundäre Ablenkung nach der entgegengesetzten Seite emstelle, die eine corrigirende
Rücklagerung des Externus nöthig mache.
Wenn nun W. diese Selbstcorrection auf die progressive Abnahme der Accommodations-
breite, wie sie mit der Alterszunahme Hand in Hand geht, zurückzuführen versucht, so mag er da
mit für eine gewisse Anzahl von Fällen gewiss Recht haben. Für eine andere Reihe passt sicher
ebenso die bei der oben genannten Gelegenheit von Mannhardt für diese Erscheinung gegebene
Erklärung, dass mit der im Laufe des Wachsthums eintretenden stärkeren Divergenz der Augen
höhlenachsen und zugleich mit dem bis zur völligen Entwicklung fortschreitenden Auseinanderweichen
der Drehpunkte die anatomischen Bedingungen für die Entstehung des Strabismus convergenz weg
fallen und somit der letztere selbst häufig aufhören kann.
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