Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

mit Perforation der Cornea und nachfolgender Ausbildung eines Leucoma adhaerens. Weitere Ver 
änderungen sollen sich seitdem auf diesem Auge nicht eingestellt haben. 
Status praesens. 
Etwas oberhalb des Hornhautscheitels befindet sich ein halblmsengrosses Leucom. an wel 
chem die Iris mit ihrem unteren Segment adhaerirt. Entsprechend demselben ist das Pupülarge- 
biet etwas excentrisch, nach oben verlagert. Nach unten von dem Leucom ist ein Defect der Ins, 
als ob iridectomirt wäre, doch bei genauerer Untersuchung ergiebt sich, dass die Ins hier atrophisch 
geworden ist. Einzelne feine Eädchen sind noch als Reste der Ins sichtbar 
Als Ursache dieser weit gediehenen Atrophie lässt sich emestbeils die Abknickung geltend 
machen, welche die Gefässe des in der Richtung nach vorn verlagerten Irissegmentes in der Gegend 
der Insertion am Ciliarkörper erfuhren, besonders aber die starke Dehnung, welche dieselben mit 
der Aufwärtszerrung des unteren Pupillarrandes erlitten. . 
Nach dieser Abschweifung auf ein für unsere Auflassung des Staphyloma posticum nicht 
unwichtiges Gebiet kehre ich zu der uns vorliegenden Beobachtung zurück. 
Beim gedankenlosen Blick in die Ferne sind bei unserer Patientin die Sehlinien paralle 
gerichtet; sobald sie aber nähere Gegenstände fixirt, namentlich wenn sie liest schiesst die linke 
Sehachse nach innen vorbei. Man erkennt dies daran, dass sie bei rascher Verdeckung des rechten 
Auges das linke immer erst einstellt. Ebenso ist sie nicht im Stande Jäger Nr. 3 zu entziffern, 
erst Jäger Nr. 4 liest sie wenig schlank. Bei dem geringen Grad von Hypermetropie und der 
guten Sehschärfe des linken Auges liess sich dieses mangelhafte Unterscheidungsvermögen für 
feinere Objecte nur aus einer Beschränkung der Accommodationsbreite erklären, erworben durch 
habituellen Ausschluss des schielenden Auges aus dem Accommodationsacte. Eine genauere Be 
stimmung des Accommodationsdefectes ist nicht vorgenommen worden. 
Fall VIII. 
Herrmann St 16 Jahre alt, Schüler, hat seit dem 3. Lebensjahre an Strabismus conver 
ges des linken Auges’ gelitten. Vor vier Jahren ist derselbe operativ beseitigt worden. Das linke 
Auge ist von jeher amblyopisch gewesen, auf dem rechten bestand vor vier Jahren H. m. Vm und 
volle Sehschärfe. 
Am 11. Januar dieses Jahres stellt Patient sich wieder vor. Die Augen stehen jetzt gut. 
Der Pupillenabstand beträgt 58 Mm. 
Die functioneile Prüfung ergiebt 
rechts links 
H. m. 7u »• = 1 H - m ' 1/16 S - “ 
Die ophthalmoskopische Untersuchung 
rechts eine nicht scharf begrenzte atrophische Zone der Chonoidea, welche sich an 
den temporalen Papillenrand anschliesst, 
links weder in den brechenden Medien noch auf dem Augenhintergrunde die geringste 
Abnormität. 
Fall IX. 
Ida E., 17 Jahr alt, Jungfrau aus Gaarden bei Kiel
	        

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